Mittwoch, 23. Dezember 2009

MidnightOpera - Keep It Deep Guest Mix

Ein kurzer Blick auf die Tracklist genügt, und der Kenner weiss: hinter diesem Mix steht ein Liebhaber ausgewählter elektronischer Musik. Sein primäres Anliegen ist, so scheint es, nicht ausschliesslich der Club-Bezug. Ihm geht es vielmehr um das Mitnehmen des Hörers auf eine musikalische Reise durch vielgestaltige Klangwelten. So trifft jazz-beeinflusste Avantgarde-Elektronika der Gruppe Tuxedomoon ("The Waltz") auf die TB-303-Spielereien von Juju & Jordash ("Jazzy Trance"), gleitet man durch den zart flirrender Detroit-Techno eines Jeff Mills ("5 Questions For Any Star"), schwebt auf den Synthesizerflächen eines Anton Zap ("Bye"), treibt auf dessen deepem Groove, um schliesslich mit den stilübergreifenden Soundstrukturen der Sofa Surfers aus Dub, Soul und Jazz ("If It Were Not For You") zu enden. Und hierbei bewahrheitet sich wieder: Jazz is the teacher!



1. Hallo Julian, stell Dich doch bitte einmal selbst kurz vor.

Hallo, ich heiße Julian und komme aus der kleinen Stadt Dieburg, die in der Nähe von Darmstadt liegt. Mein sehr guter Freund Gregory und ich produzieren seit einigen Jahren Musik, die wir unter dem Namen „immer.Chic“ veröffentlichen. Als Dj (jjulian) lege ich in unregelmäßigen Abständen in Clubs und Bars in der Gegend auf. MidnightOpera ist das Pseudonym, das ich verwende, wenn ich versuche atmosphärisch sehr dichte Mixe und Musikstücke zu kreieren, die dann ihre größte Wirkkraft in der frühen Nacht entfalten.

2. Was war Deine musikalische Initialzündung?

Schwer zu sagen, aber ich denke, dass meine Eltern und meine beiden älteren Geschwister einen nicht unwesentlich Anteil daran haben. Die Erinnerungen an meine frühe Kindheit sind untrennbar mit Musik verbunden. Sei es die klassische Musik meiner Eltern, die abends und am Wochenende durchs Haus dröhnte, das Klavier im Keller, was einen enormen Reiz auf mich ausübte oder die ungezählten Stunden, die ich als kleiner Junge im Zimmer meines großen Bruders mit Musikhören verbracht habe. Auf jeden Fall nahm Musik schon immer einen wichtigen Teil meines Lebens ein, so dass es mir im Nachhinein schwer fällt, einen entscheidenden Moment zu benennen.

3. Welches bzw. wer sind Deine größten musikalischen Einflüsse?

In den Zeiten ohne Internet war das Radio für mich eine ständige Inspirationsquelle. Entscheidende Bedeutung messe ich der Sendung des Hessischen Rundfunks „Der Ball ist Rund“ zu, die mich seit meiner Kindheit bis ins Erwachsenenalter musikalisch begleitet und geleitet hat. Leider wurde sie Ende 2008 eingestellt. „Der Ball ist Rund“ war eine Autorensendung, die von Klaus Walter gestaltet und moderiert wurde. Dabei agierte er frei von Airplay-Zwängen, manchmal thematisch stringent, manchmal chaotisch und brachte mir vieles näher, was für mich immer noch von immenser Bedeutung ist. In der stilistischen Vielfalt der Sendungen lernte ich unter vielen anderem Curd Duca, Rhyhthm & Sound oder Plastikman kennen.
Ab ca. 2004-2005 fand ich eine zusätzliche Inspirationsqueel in Thomas Meinecke und seiner Zündfunk-Nachtmix-Sendung auf Br2, die mir vor allem im Bereich der afro-amerikanischen Musik (insbesondere House und Hip Hop) einen gehörigen Schub gab.
Ein entscheidender Lerneffekt bei diesen Sendungen war für mich zu sehen, dass es möglich ist, Musikstücke thematisch zu verknüpfen, die oberflächlich gesehen nichts miteinander zutun hatten.
Filmmusik hat in den letzten Jahren einen enormen Einfluss auf mich genommen, was auf eine wachsende Leidenschaft für Film zurückzuführen ist. Als Vorbild sehe ich Angelo Badalamenti in Kombination mit David Lynch an. Von der Intensivität der Bilder, als auch der Musik bin ich genauso beeindruckt, wie auch von der perfekten Abstimmung dieser Elemente aufeinander.
Es gibt noch viele andere Aspekte, die mich musikalisch geprägt haben in meinem näheren Umfeld, aber das wäre vermutlich zu Umfangreich, diese alle hier aufzuzählen.

4. Wie würdest Du Deinen eigenen Stil beschreiben?

Ich versuche mich musikalisch in viele Richtungen zu bilden. Das ist der Angst geschuldet, dass man sich in eine Sackgasse begibt und am Punkt, an dem man nicht mehr weiterkommt, das Interesse an Musik teilweise oder ganz verliert. Ich denke, dass viele Musiknerds zu sehr in ihren favorisierten Mikrokosmos eintauchen, ohne zu merken, dass sie sich einen Radikalismus aneignen, bei dem ein offener Umgang mit anderen musikalischen Ansätzen kaum noch möglich ist.
Außerhalb des Clubkontextes konzentriere ich mich auf Stimmungen, die ich versuche in Mixen oder in Musikstücken umzusetzen. Dabei kann jeder Sound, jeder Film, jedes Buch oder jedes kleine Erlebnis eine Inspiration sein. Für mich gibt es nichts, von dem ich behaupten würde, dass eine musikalische Umsetzung nicht lohnt. No Sound is to taboo! Also mit einem Wort: variabel

5. Produzierst Du auch eigene Tracks? Wenn ja: womit?

Wir haben ein sehr minimalistisches, kleines Studio, was hauptsächlich aus 5 Synthesizern einem Mischpult, einem Mikrophon, 2 Plattenspielern und einem alten aber auf Musik optimierten Pc besteht. Gregory und ich produzieren seit 9 Jahren mit einer Version von Cubase VST. Leider sind wir nicht sehr Technik-affin und haben uns auch deshalb bisher immer ein bisschen vor einer Umstellung auf andere, neuere Programme gescheut. Cubase Vst beherrscht nur die grundsätzlichen Funktionen und ist aus heutiger Sicht geradezu lachhaft einfach aufgebaut und trotzdem recht umständlich zu bedienen. Allerdings sind diese Einschränkungen vielleicht auch wieder kreativitätsfördernd (das bilde ich mir zumindest gerne ein). Am liebsten arbeite ich soviel wie möglich ohne Computer, wobei ich die Möglichkeiten der Soundbearbeitung schon sehr schätzen gelernt habe und diese auch nicht mehr missen will.

6. Pläne für Deine musikalische Zukunft?

Immer weiter Musik entdecken, produzieren und mixen. Ich kann mir vieles vorstellen. Filme zu vertonen reizt mich sehr stark.
Als nächstes steht ein immer.Chic-release für das belgische Meakusma-Label an, was wir gerade fertig produzieren. Außerdem ist das Workshop-Label von Even-Tuell & Lowtec so etwas wie eine angestrebte Heimat.




Tracklist:

01 Tuxedomoon - The Waltz [Cramboy]
02 The Modern Deep Left Quartet - Babyfoot [Wagon Repair]
03 Juju & Jordash - Jazzy Trance [Dekmantel]
04 Kenny Larkin - Nightfall [Peacefrog Records]
05 Agoria - Kick The Peace [Different]
06 In Sync - Warm [Irdial Discs]
07 Nukubus - Skylark (Louis Guilliaume’s New Tommorow Mix) [Vonk]
08 Jeff Mills - 5 Questions For Any Star [Axis]
09 Kai Kroker - Tailwind [Red Ember Records]
10 Seidensticker - Ersetzung [Out To Lunch]
11 Matias Aguayo - Lineas [Soul Jazz Records]
12 Anton Zap - Bye [Underground Quality]
13 Claude Young - Distant Signal [Elypsia]
14 Darkkhaki and Sweet RB - Hydrophonic Govt. War [frequeNC]
15 Reagenz - Confidence [Workshop]
16 Sofa Surfers - If It Were Not For You [Klein Records]


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Niko Marks - Voice Box Detroit EP

Zahlreiche Blogeinträge habe ich mir für diese Woche vorgenommen, gibt es doch einige neue Releases, die förmlich auf ein (kleine) Feature warten.

So erschien vor kurzem auf Underground Quality die "Take It As It Comes EP" von Anton Zap (http://www.discogs.com/Anton-Zap-Take-It-As-It-Comes/release/2032231) - ein Viertracker, auf dem der Moskauer DJ und Produzent mit puristischen und zugleich rauen Housebeats, tieffrequenten Basswellen, ausgedehnten sphärischen Flächensounds ("Bye") sowie düsteren Hallräumen ("I Get Deep Beat") zu begeistern weiss.

Reginald "Reggie" Dokes meldete sich noch einmal zurück mit "The Golden Years EP (Psychostasia 2001 - 2006), einer 12" auf Deep Explorer, der spanischen (Deep) House-Burg der Gebrüder Alvarez (Dubbyman & Above Smoke).

Und der Kanadier The Mole, in diesem Jahr bereits mit seinen beiden Seven Inches ("7 Inches Of Love 1" bzw. "7 Inches Of Love 3") zu Recht gefeiert, packte noch einen oben drauf und veröffentlichte auf Prins Thomas' Label Internasjonal "Family / Rotation" - schroffe, schleppende Basslines treffen auf ein melodisches und ergreifendes Streicherthema ("Family") treffen auf einen perkussiv verschachtelten Beat ("Rotation"). Für mich nicht ganz nachvollziehbar, weshalb diese beiden Tracks auf ResidentAdvisor so schlecht wegkommen (vgl. http://www.residentadvisor.net/review-view.aspx?id=6954).


Doch nun zu der eigentlichen 12". Ihr Titel lautet "Voice Box Detroit EP", erschienen ist sie auf Subject Detroit, und - ich gebe es zu - von ihrem Produzenten und Urheber, Niko Marks, habe ich bis vor kurzem noch nie etwas gehört. Deswegen ist es mir auch nicht möglich, mit irgendwelchen Hintergrundinformationen aufwarten zu können. Ein Blick auf discogs zeigt jedoch: ein absoluter Newcomer ist er nicht (vgl. http://www.discogs.com/artist/Niko+Marks).

Auf "I Can't Stop", dem ersten Track der EP, überzeugte mich vor allem die warme, gefühlsgeladene Stimme, die von sehnsuchtsvollen Momenten der Zuneigung, Liebe und Hingabe singt und im Ohr noch sehr lange nachklingt, auch wenn der temporeiche Housebeat und die Rhodes-Akkorde schon längst verklungen sind. Soulful House ist doch noch nicht ganz tot. Mit "All About Love" legt Niko Marks einen Track auf, der dem Selbstverständnis des Labels Subject Detroit absolut gerecht wird. "True To The Roots of Detroit Techno ... laying the foundation for Advanced Black Music" lautet es. Und Niko Marks führt mit einem kraftstrotzenden Bassriff, Strings und einem Hochtempo-Beat-/Rhythmuspattern gekonnt zurück in die Zeit des Hi Tech Soul / Hi Tech Funk der 90er-Jahre und hält somit der schwarzen Tanzmusik Detroiter Prägung die Treue. "Bring Back The Soul", der erste Track der B-Seite, ist mein persönlicher Favorit, auf dem ein schroffer Midtempo-Housebeat, verschlafen-dubbige Synthesizer-Flächen im Hintergrund, treibende Clap-Elemente sowie nostalgisch aufgeladene Lyrics aufeinander treffen. Bleibt noch "Technology" - mit vom Jazz beeinflusster Bläser-Sektion, einem einfachen Elektro-Beat und Acid Synthlines ein feines Stück Hi Tech Funk.


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Montag, 21. Dezember 2009

Eddie C - Rocket Science EP

Schneestürme und klirrende Kälte haben am vergangenen Wochenende, nahezu pünktlich zum Winterstart, eine erste Duftmarke gesetzt. Was unsere Medien veranlasst, von einer Ausnahmesituation zu schreiben (und zu sprechen), ist für Durchschnittskanadier selbstverständlich. "Some snow showers" schrieb mir ein derzeit in Toronto lebender Bekannter. Nichts Aussergewöhnliches also. Vielmehr gewöhnlicher Alltag. In Banff, am Fusse der Rocky Mountains, wird dies mit Sicherheit nicht anders sein. Erfahrungsgemäss hat der Winter diese Region schon längst fest im Griff, denn sie zählt (derzeit noch) zu den wenigen wirklich schneereichen und schneesicheren Gebieten der nördlichen Hemisphäre.

Für den Produzenten der vorliegenden 12" ist dies kein Grund, sich ins behagliche Heim zurückzuziehen, es sei denn, um seinen Ideen freien Lauf zu lassen und an Beats und Sounds zu basteln. Denn Banffs finest, Eddie C, hat sich in dem mit ihm geführten Kurzinterview mehrmals selbst als leidenschaftlicher Skifahrer bezeichnet (http://keep-it-deep.blogspot.com/2009/10/eddie-c-keep-it-deep-guest-mix.html). So kann ich mir gut vorstellen, dass es ihn vielmehr hinaus in die Natur als in einen feuchtkalten (Produktions-)Keller zieht, um seine Spuren in das Weiss unberührter Tiefschneehänge, umgeben von einer atemberaubenden Bergkulisse, zu zaubern, kaum dass die letzte Schneeflocke gefallen ist. Doch das süsse Nichtstun in dieser zart glänzenden Winterwunderwelt sei Eddie C von Herzen gegönnt, wenn er daraus Kraft für seine Musik schöpft, mit der er in regelmässigen Abständen (nicht nur mich) zu erfreuen weiss.

Sein neuestes Meisterwerk trägt den Titel "Rocket Science EP". Es ist zugleich die erste 12" auf dem Label Sleazy Beats Recordings, das die Sleazy Beats-Blogger um den in Boston wohnhaften Frantic jüngst aus der Taufe gehoben haben (vgl. http://keep-it-deep.blogspot.com/2009/12/frantic-keep-it-deep-guest-mix.html).
"Space Cadet", der erste Track, wird eröffnet von leicht synkopierten Drum-Figuren. Geschickt inszenierte, filigrane Synthesizerflächen untermalen diese Rhythmuskomposition teils an-, teils abschwellend. Spätestens mit der wenige Takte danach einsetzenden, zauberhaft verträumten Piano-Melodie gleitet man in den Fluss des langsamen Grooves hinein, und schwebt wie ein Skifahrer - getragen von warmen Streicherbögen - auf unberührtem Pulverschnee einen kaum enden wollenden Hang hinab.
Auf "One With The Starts" schreitet Eddie C mit funkgeladenem Midtempo voran. Energiegeladen, übersprudelnd und im Vergleich zu "Space Cadet" fast schon wild präsentiert er sich hier mit vollem Basseinsatz und eingängiger Hookline, die sofort ins Ohr geht.
Für manche mag der dritte und letzte Track, "Get down", mit Sicherheit zu langsam sein, um jemals auf dem Floor zum Einsatz zu kommen. Doch "Get down" ist mein persönlicher stand-out track auf der "Rocket Science EP". Von einem ganz tief im Funk verwurzelten Bass getragen, besticht dieser Track insbesondere mit seiner (sample-basierten?) Instrumental-Sequenz. Prägnante, schlagende Klavierakkorde sowie kurze, bissige Bläserphrasen verschmelzen mit zupackenden Gesangspassagen und den kraftvoll voluminösen Klängen im sonoren Bassbereich zum melodischen Thema. Grande, Eddie C!


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Kuba Sojka - Promo Mix Dezember 2009

Schwere Synthesizerakkorde vermischen sich mit sanften, streicherartigen Flächen. Druckvoll treibende Kickdrums paaren sich mit pulsierenden Bassläufen. Klanglich aufgefüllt werden die stark tanzbaren Beatsequenzen durch bleepende, immer wiederkehrende Melodiefragmente. Der Pole Kuba Sojka, der mich im August diesen Jahres mit seinem Viertracker "Message From Earth" zu überzeugen wusste (http://keep-it-deep.blogspot.com/2009/08/kuba-message-from-earth.html), beginnt seinen Promo Mix mit einer klanglichen Verneigung vor dem (durchaus nicht leicht anzutretenden) musikalischen Erbe der Stadt Detroit.

Dessen vielgestaltige Klangwelten bleiben auch in den folgenden rund 45 Minuten das zentrale Thema, an dem sich Kuba Sojka mit Leidenschaft und Hingabe abarbeitet. So schreckt er auch nicht vor Temporeduktionen zurück, um sich in housigeren Gefilden zu bewegen, stets auf der Suche nach einem rauen, unbearbeiteten und dadurch sehr lebendigen Sound, wie wir ihn gegenwärtig gerade auch von Keith Worthy, Patrice Scott und ihresgleichen kennen und lieben gelernt haben. Sanft schnarrende Acid Synthlines vermengen sich mit schwebenden Sphärenklängen und gehen in einem raumgreifenden Klangkörper auf (vgl. 32'). Ein aufpeitschendes, dramaturgiereiches und spannungsgeladenes Set, das jedenfalls mir geholfen hat, in diesen Montagmorgen einzutakten.



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Freitag, 18. Dezember 2009

Reminder: Deep Station @ White Rabbit // Rick Wade @ Theodor Noise

In der Vorweihnachtszeit kann es durchaus passieren, dass man ein paar Termine durcheinander bringt oder gar vergisst. Daher an dieser Stelle noch einmal eine kleine Erinnerung:
Heute Abend werden die Freiburger Kowski und Ricordo im White Rabbit ein weiteres Mal aus Anlass der Deep Station im Freiburger White Rabbit an den Plattentellern stehen. Pflichtveranstaltung für Liebhaber guter elektronischer Clubmusik zwischen House und Techno. Auch die eine oder andere Disco 12" wird sich mit Sicherheit im Set Eingang finden. Meines Erachtens konkurrenzlos, an diesem Freitagabend.
Morgen, Samstag der 19. Dezember, tritt eine weitere House-Legende im Theodor Noise in Achern, nördlich von Offenburg, auf. Dieses Mal ist es Mr. Harmony Park, Rick Wade. 'Nuff said!

Tensnake - Need Your Lovin'

"Need Your Lovin'" heisst das neueste Werk des Hamburger Midtempo House- und Disco Dons Marco Niemerski alias Tensnake, das im Januar des kommenden Jahres das Licht der Welt auf Mjuniks Trademark Label Permanent Vacation erscheinen wird.

Vor vier Tagen veröffentlichte er auf seinem Soundcloud-Account unter http://soundcloud.com/tensnake/need-your-lovin-full-vocal-mix-snippet einen kleinen Ausschnitt dieses Songs.

Eine tief im Untergrund grummelnde Bassline windet sich hier mit träumerisch süssen Vocals um einen fluffigen Beat, begleitet von lieblichen Synthesizer-Melodiefragmenten, nachlässig schlurfig, und ein wenig im Hall verloren gehend. Schön, dass Tensnake mit einem Song wie diesem die Diskrepanz zwischen echtem, tiefen Fühlen und unecht gesteigerter Sentimentalität, wie sie der 80er-Jahre Disco-Ästhetik eigen ist, auch im Jahre 2010 aufrecht erhält.




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http://www.myspace.com/tensnake
http://twitter.com/tensnake
http://www.permanent-vacation-records.com/
http://www.myspace.com/permanentvacationrecords

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Chez Damier - Time Visions 2

Auf diese 12" habe ich gewartet, wie manch ein wintersportaffiner Bürger sowie die meisten Alpenurlaubsorte auf den lange ersehnten Wintereinbruch mit Schnee bis in tiefe Lagen. Gut, vielleicht nicht ganz so intensiv. Aber seit Chez Damier, die "erleuchtete Lichtgestalt für die Jünger der Nacht" (http://de-bug.de/mag/5977.html), mit "Time Visions 1" seine erste 12" auf einer eigens für ihn bei Mojuba eingerichteten Veröffentlichungsplattform, G.O.D. (Good Old Dance), an den Start gebracht hat, habe ich immer Augen und Ohren weit aufgesperrt, um nicht den Erscheinungstag einer weiteren Komposition zu versäumen.

Das Geheimnis um Mojuba G.O.D. ist eigentlich schnell gelüftet. Unter Namen hat Thomas Wendel (alias Don Williams), seines Zeichens Gründer von Mojuba (und A.R.T.less) für Anthony "Chez Damier " Pearson einen Labelunterbau für die Wiederauflage alter Tracks aus dem unüberschaubar grossen Chez Damier-Fundus sowie für dessen neu produzierte Stücke geschaffen. Mögen manche dem (gegenwärtigen) Reissue-/Repress-Trend auch skeptisch gegenüber stehen, bin ich dennoch kein Gegner solcher erneuter Publikationen, denn manche Klassiker sind sehr selten, teuer und gesucht. Daher konnten sehr viele in diesem Jahr beispielsweise in den Genuss der (stark nachgefragten) "Untitled" von eben jenem Chez Damier kommen (z.B. http://www.rushhour.nl/distribution_detailed.php?item=4291), die ursprünglich bereits 1993 auf KMS erschien (http://www.discogs.com/Chez-Damier-Untitled/release/13215).

Auf "Why", dem ersten Track der "Time Visions 2", begegnet man samtweichen Chordflächen, deren sanft wiegende Bewegung ein wundervolles Wohlgefühl entstehen lassen. Empfindsame Ohren werden sich sofort in ihr Klangbild verlieben. Gefühlvolle Finger scheinen die Perkussion eingespielt zu haben, die den Track feinfühlig im Hintergrund begleiten. Die B-Seite besticht zunächst mit einem bis dato unveröffentlichten Remix des Chez Damier-Klassikers "Help Myself", für den kein geringerer als Carl Craig verantwortlich zeichnet. Im Unterschied zu seiner ersten Überarbeitung, zu hören beispielsweise unter http://www.youtube.com/watch?v=Wpi0tf43zeA, ist diese Version von einem energiegeladenen Vorwärtsdrang befreit. Hier führt C2 aus einem Detroiter Peaktime-Strobobunker heraus auf eine Terrasse im Sonnenaufgang, auf der es nicht viel mehr braucht als einen dezenten Off-Beat, akzentuierende Claps und ein emotionales Piano-Riff. Ein dritter Track, über dessen Namen ich bis dato noch nichts in Erfahrung bringen konnte, schliesst die EP ab. Hier knüpft Chez Damier, Aufbau und Konzeption betreffend, ein wenig an seine Prescription-Zeit der Mittneunziger an, ohne jedoch zu altbacken und verkopft zu wirken. Prägnante Synthesizer, kraftvoll marschierender Off-Beat, nur das leise rieselnde und raschelnde Geräusch der Perkussion nervt auf Dauer ein wenig. Anyway. Worth to check!


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P.S. Live Set-Überdigger r_co hält auf seinem Soundcloud-Account ein aktuelles DJ-Set von Chez Damier zum Download bereit, here you go: http://soundcloud.com/r_co/chez-damier-live-garito-cafe-21-11-2009.

P.P.S. Vom Mojuba-Gründer Don Williams gibt's einen Promo-Mix, den er anlässlich seines Auftritts in Dublin am 04. Dezember 2009 eingespielt hat, unter http://www.sendspace.com/file/40fbns.

Levon Vincent - Double Jointed Sex Freak

Levon Vincent, Novel Sound, die Vierte, Showdown kurz vor Weihnachten. "Double Jointed Sex Freak" ist eine 12", deren drei Parts, aufgeteilt auf A- und B-Seite, es vermögen, einen vor dem Versinken im gnadenlosen Einkaufs- und Geschenkestress zu bewahren. Sie beinhaltet ein Höchstmass an destruktiv-düsterer Energie und entfaltet eine ungeahnte Schubkraft, die einen beim Hören mit Leichtigkeit durch die Menschenmassen in der höchst belebten vorweihnachtlich Geschmückten Innenstadt bohren lässt. Überkritisch liesse sich behaupten, "Double Jointed Sex Freak" sei einfach eine weitere Levon Vincent-Platte. Aber der New Yorker verfügt bei aller Linientreue - unbestritten - über ein feinsinniges und filigranes Gespür für Beat- und Klanginnovationen.

In "Part 1" stampfen die Kickdrums und Powerchords gleichmässig wie eine riesige Dampfmaschine, während fein nuancierte Soundeffekte Erinnerungen an das leise Knistern und Zischen im Kesselraum im Ohr des Rezipienten wecken. "Part 2" auf der B-Seite übt mit seinem mörderisch satten Bassgroove einen unwiderstehlich kraftvollen, aber dennoch als angenehm empfundenen Druck auf die Hüften aus. Im dritten Teil der EP, "Part 3" genannt, arbeitet Levon Vincent zwar mit exakt denselben Elementen, die man schon bei den ersten beiden Tracks kennen gelernt hat - immer mal wieder eingeworfene Vocalfragmente, warmer, melodiöser Bass, Chords mit metallischem Anschlag, gestreichelte Hi Hats im Hintergrund. Doch wäre es nicht Levon Vincent, wenn er aus diesen Bausteinen nicht auch noch eine weitere Variation des "Double Jointed Sex Freak" hinbekäme. Wer sich hinter diesem sehr gelenkigen Sexverrückten /-versessenen verbirgt, ob der Titel dieser 12" autobiographische Züge des New Yorker Produzenten erkennen lässt, bleibt jedoch auch nach mehrmaligem Hören dieser 12" offen. Und das ist auch gut so, denn letzten Endes geht es ja nur und ausschliesslich um die Musik, mit der uns Levon Vincent so reich beschenkt.
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DJ Qu - Party People Clap They Hands

Erschreckend, welch deutliche Leistungseinbussen ich derzeit bei meinem Kurzzeitgedächtnis zu verzeichnen habe. Anderenfalls könnte ich mich an dieser Stelle noch daran erinnern, wo ich "Party People Clap They Hands" von DJ Qu das erste Mal gehört habe. Es muss in einem Mix gewesen sein, so viel steht fest. Als erstes zöge ich entweder Tama Sumos Panoramabar-Compilation oder Fred P / Black Jazz Consortiums Podcast für Little White Earbuds in Betracht, rein musikalisch würde es auch passen, doch mittlerweile kenne ich die Tracklist von beiden Einspielungen auswendig und weiss: it ain't on the list. So viele können's nicht sein, aber ich komme jetzt einfach nicht drauf. Wer etwas dazu weiss, bitte in die Kommentare schreiben.

Mit "Party People Clap They Hands" tritt Ramon Lisandro Quezada, wie DJ Qu mit bürgerlichem Namen heisst, das erste Mal auf Deconstruct Music, dem Label von Levon Vincent und Anthony Parasole, auf. Diese Verbindung entstand zum einen über den New Yorker Plattenladen Halycon Record Store, zum anderen über DJ Jus-Ed, der mit seinem Label Underground Quality einen wahren Start Hub für DJs und Produzenten geschaffen hat. So ist es auch kaum verwunderlich, dass sich auf der dritten Deconstruct 12" mit DJ Jus-Ed, Fred P, Levon Vincent und Anthony Parasole auch genau diese Label Buddies zu einer Remixtätigkeit eingefunden haben.

Wenn vom Titel eindeutig auf den Inhalt geschlossen werden kann, dann bei DJ Qus

Originalversion. "Party People Clap They Hands" ist eine eindeutige Programmansage, denn tonangebend sind die harten Claps und Bassdrums, welche regelrecht zum Tanzen auffordern. Kaum mit Flächen, Melodien oder sphärischen Klangelementen versehen, versetzt einen dieser Track in den Hinterhof eines backsteinernen Gebäudes, in dem sich ein paar Jungs zu hartem analogem Funk ihre rhythmischen Bewegungen auf den schmutzigen Asphalt zaubern. Hier möchte man im Kreis stehen, und sie mit Klatschen zu Höchstleistungen anspornen.

Den ersten Remix liefert Levon Vincent, seines Zeichens Label Co-Owner und (auch) in diesem Jahr konstant herausragende Leistungen abliefernder Produzent. Über die Drums und Bässe legt er disharmonisch-metallische Synthesizer-Klänge, die längst zu (einem seiner) Markenzeichen geworden sind. Die Frage "What's going on" wirft er als Fragment zu Recht im Break auf, denn Levon Vincents Auftritt bereichert eine Platte wieder einmal mit einer ebenso sinnlichen wie verstörenden Klangerfahrung.

Fred P a.k.a. Black Jazz Consortium und Anthony Parasole, der andere Label-Mitbetreiber, haben "Party People Clap They Hands" einer kompletten Überarbeitung und Neuarrangierung unterzogen und das Original dabei stark entfremdet. Dronig-loopig , harsch und dennoch rhythmisch wirkt ihre Herangehensweise auf mich, so dass ich geneigt bin, die Genrebegriffe Noise, Industrial und EBM miteinzubeziehen. Nachvollziehbar, wenn Noah Gibson in seinem ausgezeichneten Blog schreibt, dass einem dieser Sound einen Blick in die Zukunft öffnet ("This is probably what 2010 will sound like", http://thefuturist.se/2009/12/03/review-dj-qu-party-people-clap/ ).

DJ Jus-Ed schliesslich verpackt im Vergleich zu Levon Vincent, Fred P und Anthony Parasole den Track in ein klassisches House-Gewand. Der minimalistische, treibende und technoide Sound tritt in den Hintergrund und er injiziert eine gute Dosis New York-House der 90er Jahre in "Party People Clap They Hands".

Nichts für vorweihnachtliche Wohnzimmerbehaglichkeit!


Mehr im Web:

http://www.myspace.com/strengthmusic

Interview und Podcast mit DJ Qu unter http://madelikeatree.com/Pages/qu.html sowie bei meinem Namensvetter unter http://keepitdeep.wordpress.com/2009/10/12/k-d-feature-001-dj-qu-strength-in-music/.

http://www.myspace.com/levonvincent
http://www.myspace.com/blackjazzconsortium
http://www.myspace.com/ill_house_you
http://www.myspace.com/djjused
http://www.myspace.com/deconstructmusic

Montag, 14. Dezember 2009

Frantic - Keep It Deep Guest Mix

Die Jungs von Sleazy Beats, Monsieur Monod, Harry O' Boogie, Kris Percy und Frantic sind Musikliebhaber par excellence. Auf ihrem Blog, zu finden unter http://sleazybeats.blogspot.com/, featuren sie eine Vielzahl sogenannter Mid Tempo Electronica-Musik zwischen (Deep) House, Disco, Soul und Funk. Und genau diese Zutaten verarbeitet Frantic in seinem Guest Mix für keep-it-deep. I highly recommend! Doch zunächst darf sich Frantic ein wenig vorstellen:


1. Dear Fran, would you like to introduce yourself?

I am 31 and live just south of Boston, Massachusetts in the United States. I'm married with two children and work a full-time 9 to 5 job. Oh, and I love music... especially when it is pressed to vinyl.


2. When did your initial music spark ignite?


I fell in love with music during long car rides and house cleaning sessions with my mother. It was the 80s, and she would listen to bands like INXS, Prince, Talking Heads, Fleetwood Mac, 10,000 Maniacs, and The Police, so that is what I listened to. I think "King of Pain" was my favorite song from age 4 until about 12, when I discovered heavy metal. That took me to grunge in 1994... then my first rave in '98... The last ten years or so have been an electronic wonderland. Musically, it's been an amazing and fulfulling journey.


3. Who and what is your most important influence?


My most important influence are the people around me... My wife and my close friends. Their opinion means everything to me, and it tends to guide a lot of what I don't play. I am of course guided by my musical past, but also influenced by DJ sets I find on the internet. I spend countless hours both at work and at home in front of a computer, so I end up downloading and listening to a crazy amount of music. Between blogs and message boards, I have more music to listen to than there is time in the day. That's bound to influence a person.


4. How would you describe your own style?


It has always been electronic music with a tinge of the disco and funk... but it wasn't until recently that I discovered the real thing. I love my house music. I'm not really into playing much dirty, gritty, or dark music. I try to keep things entertaining, and what I like to play tends to be fairly accessible. I guess you'd call it happy-disco-house-funk with a few surprises.


5. Do you produce your own tracks?


I've messed around with producing music since 2004. It's all been on the computer with programs like Reason and Ableton. I've come up with some stuff I've enjoyed, but nothing I would buy, if you know what I mean. Honestly I'm a DJ at heart and haven't devoted the time it would take to learn to produce a proper song. I like to play other people's music! There is just so much good stuff out there, and so many people are not hearing it. I feel that I can connect those dots.


6. What are you currently working on?


Two close friends (DJ's Monsieur Monod and Kris Percy) and I run the Sleazy Beats blog, which has recently morphed into Sleazy Beats Recordings. Our first 12" with Eddie C has just hit record stores, and we've got some amazing stuff planned ahead. We're really excited about a lot of the low tempo, disco, edit, electronic-funk sounds that are being released right now. We're trying to push that with our blog, our DJ mixes and our record label.


7. What are your future plans?


I think mix CDs and downloadable DJ sets are really where my focus is for the immediate future. I want to keep putting together mix compilations of music that I enjoy, and getting it recorded and passed out to anyone that cares to listen. Watching or reading about someone discovering something simply because I put it in front of their nose always brings me unbelievable joy.



Hier geht's zum Mix: http://www.megaupload.com/?d=2Z0POWDI





Tracklist:



Moody - Rectify [KDJ]
Cro-Magnon - Love Bite [Jazzy Sport]
Phantom Slasher - Bethlehem [Noid]
Drawbar - Leave That Ol' Devil Alone [Counterpoint]
Diplomats of Solid Sound - Plenty Nasty [Record Kicks]
The New Mastersounds - Drop It Down (B rmx) [Record Kicks]
James Brown - Get On The Good Foot [Polydor]
33 1/3 Queen - Disco Four (Ray Mang's mangled mix) [Tu Rong]
Heatwave - Goin' Crazy (Fat Camp edit) [Disco Deviance]
Conor - Living Dead (assisted by Stranger) [Rong]
Eric Legnini Trio - Rock The Days (Blackjoy rmx) [Discograph]
Tensnake - TheThenUnknown [Running Back]
Trus'me - Trus'us [Prime Numbers]
Rainer Truby - To Know You [White/RT]
Kenny Dixon Jr. - January [White]
Tim Shumaker - On and Off [So Much Style]
Jesse Rose - Black Coffee [Dubsided]
Swag - Peasouper [Version]





Mehr im Web:



http://www.sleazybeatsrecordings.com/
http://www.myspace.com/frantichouse
http://www.myspace.com/sleazybeatsrecordings
http://twitter.com/DJ_Frantic
http://twitter.com/sleazybeatsrecs

Session Victim - Late Runner

Real Soon ist nach meinem persönlichen Dafürhalten ein Label, dessen Veröffentlichungen eine wertvolle Bereicherung für jeden (House-)Plattenschrank beziehungsweise -koffer sind. Was dort aus den Händen beispielsweise eines Kai Alcé (zuletzt "Polyester Static EP", http://keep-it-deep.blogspot.com/2009/10/kai-alce-polyester-static-ep.html ), Steffen Laschinski / Rising Sun (http://www.discogs.com/Rising-Sun-Sun-Dance/master/202223) oder Lerosa (zuletzt "Minefield EP", http://www.discogs.com/Lerosa-Minefield-EP/release/1639448 ) erschien, sind top notch Produktionen mit einem beträchtlichen musikalischen Mehrwert.

Letzteren weist auch "Late Runner" auf, ein Viertracker von Hauke Freer und Matthias Reiling, die ihr Unwesen auf dem Terrain der elektronischen Clubmusik als Session Victim treiben. In diesem Jahr erschienen Tracks auf Retreat, ihrem gemeinsam mit Quarion ins Leben gerufenen Label sowie Hairy Claw.

Auf "Headster", dem ersten Track der übrigens in einer auf lediglich 350 Kopien begrenzten Stückzahl erscheinenden 12", faszinieren mich insbesondere die hart angeschlagenen Piano-Basstöne, die repetitiv und hypnotisierend funktionieren. Gepaart mit einem feinen Hintergrundrauschen und -knacken sowie einer Vielzahl, teilweise dissonant klingender Zusatztöne, lässt "Headster" auf den experimentierfreudigen Charakter des Produzenten-Duos schliessen, die der Eingängigkeit und Tanzbarkeit des Tracks sowie der ganzen 12" keinen Abbruch tut. Auch "Wake And Shine" beinhaltet ein stark hypnotisierendes, repetitives Moment, das von seinem Aufbau und seiner Struktur sowie ganz besonders von seinen Basistönen her vergleichbar ist mit dem dreckigen, Elemente des Funk / Electro-Funk aufgreifenden Sound der Motor City Detroit. Demgegenüber lässt sich auf den Synthesizerflächen von "Landluft" trefflich ausruhen, während einen der ruhige Beat, die Clap-Elemente sowie ein Gitarrensample wie kleine Wellen sanft vorantreiben. Bleibt noch "Ranunkelvej", dessen teilweise synkopiertes Drumprogramming mich von Anfang an in andere Sphären versetzt hat. Weiter so, Session Victim!


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Baaz - Woodland Drive EP

Baaz, der Würzburger DJ, Produzent und gewissermassen Feature-Stammgast auf keep-it-deep (http://keep-it-deep.blogspot.com/2009/06/baaz-pass-it-on-ep.html, http://keep-it-deep.blogspot.com/2008/07/baaz-you-some-ep.html,...) führt auf "Woodland Drive", seiner neuesten 12" für Sthmlaudio Recordings eindrücklich vor, wie man zwei auf den ersten Blick (und für manchen Scheuklappenträger gänzlich) als unvereinbar geltende Stilrichtungen zusammenbringt, deren Kerngehalt meines Erachtens jedoch derselbe ist: rauer harter Funk, zartschmelzender Soul, Black Music eben.

So serviert Baaz zunächst in gewohnter Manier zwei House-Tracks, "Sink" auf der A-Seite und "It's Gone" auf der B-Seite. Mit einem zeitgemäss organischen und perkussiven Groove kickt hier der Würzburger nach vorne. Dabei verliert er jedoch nicht den Rückbezug zur alten House-Schule, packt aber - Gott sei Dank - weder Conga, Djembe, Tabla noch Bongos oben drauf. Von diesen Drum-Elementen bekomme ich sehr schnell genug. Tiefe E-Orgel- bzw. Synthesizersounds sowie (Sprachgewirr-)Vocal-Samples verdedeln beide Tracks und ziehen einen tief hinein in den unwiderstehlichen Baaz'schen Trademark-Groove.

Auf "The Loundrette" und "Still" hingegen beschreitet er einen ganz anderen Weg. Hier orientiert sich Baaz in Richtung gebrochene Beats, lässt eine ganze Menge Soul und R'n'B einfliessen. Bereichernde Hybrid-EP!


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Cosmic Boogie - Disco Deviance (Press Play #31 / Another Night On Earth)

Montagabend. Noch immer habe ich den Einstieg in die neue Woche nicht geschafft, hänge immer noch zwischen den verschiedensten Realitätsebenen, und es ist derzeit noch nicht absehbar, dass es mir gelingt, meine ganze Aufmerksamkeit auf eine einzige Realitätsebene zu konzentrieren. Ein wenig Mitschuld daran tragen zwei Vinylvirtuosen, die am vergangenen Wochenende in Freiburg, im Waldsee, zu Gast waren: Essens DPlay und Berlins Tama Sumo - a journey into sound! Diesen Abend, die Musik und die Gefühle, in Worte zu kleiden, wird kein leichtes Unterfangen, und vielleicht belasse ich es dabei, die Erinnerungen an diese Clubnacht in meinem Inneren zu bewahren.

Als Warm-Up in diese neue Arbeits-/Blogwoche empfehle ich einen Blick auf den Blog Another Night On Earth, die für ihre Mix-Reihe Press Play in dieser Woche Liverpools finest in Sachen Disco / Edits für einen Gastauftritt gewinnen konnten: Stu Robinson alias Cosmic Boogie. Er ist ein rastloser Unruhegeist, der bloggt (http://www.cosmicboogie.co.uk/), Tracks / Edits produziert, auflegt und seit einiger Zeit auch ein Label unter demselben Namen betreibt. Mit im Cosmic Boogie-Boot sitzt Greg Wilson, über den ich nun wirklich keine Worte mehr verlieren muss. Erstgenannter, Stu Robinson / Cosmic Boogie, vermengt in seinem Mix eine ganze Menge eigener, editierter Tracks, ein paar Klassiker sowie aktuelles Material der Kategorie Slow Motion House (leider bin ich nicht ganz so wortkreativ wie die Jungs vom Innervisions-Blog, die den schönen Begriff "Sahara Trance" für eine Soundumschreibung schufen, http://blog.innercityvisions.com/?p=733). Der Mix ist fresh, also sofort http://anothernightonearth.blogspot.com/2009/12/press-play-31-cosmic-boogie.html aufsuchen, den Mix herunterladen, anhören und vergessen, dass morgen bereits der zweite Arbeitstag ansteht.


Tracklist:

Geraldine Hunt / Heart Heart (Instrumental)
Gaz Nevada / Special Agent Man (Female Version)
Hooked (Neil Scott Edit)
Linkwood / FallingLCD Soundsystem / 45:33 (Trus’Me Remix)
Eddie C / One With The Stars
Suzy Q / Get On Up And Do It Again
Linda Taylor / You and Me Just Started (Instrumental)
Loose Change / Straight From The HeartHeads (Cosmic Boogie Edit)
Phantom Slasher / Lasagne For 10Life / Your All Played Out
Debbie Jacobs / What Goes Up (Cosmic Boogie Edit)
Feels Good (You Got The Love) (Cosmic Boogie Edit)
Solid State / Philly Track
Rythm Makers / Soul On Your Side

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Donnerstag, 10. Dezember 2009

Losoul - Slightly (Mike Huckaby Remix)

Peter Kremeier a.k.a Losoul, Zentralfigur der Playhouse-Familie, als einen Grundpfeiler der elektronischen (Club-)Musik zu bezeichnen, ist keineswegs zu hoch gegriffen. Man denke nur an Tracks wie "Open Door" (http://www.discogs.com/LoSoul-Open-Door/release/1134486) aus dem Jahre 1996 oder "Raw Beauty" (http://www.discogs.com/LoSoul-Lies/release/48996), (ursprünglich schon vor neun Jahren, im Jahr 2000, veröffentlicht). Mein persönlicher Favorit ist jedoch "Soul Down" aus dem Jahr 2004, ein sich langsam vorwärts schiebender Track, der fröhlich dissonante Klänge zulässt (http://www.youtube.com/watch?v=9aEY4lUh4zQ).

Auf der vorliegenden 12", Auskoppelung einiger Tracks von seinem im Vorjahr erschienenen Album "Care" (http://www.discogs.com/Losoul-Care/release/1838221), hat mich letzten Endes nur ein Stück zu 100% überzeugen können. Es ist Mike Huckabys Remix von "Slightly". Dafür hat sich der Detroiter wieder einmal in seinen Klanglabor zurückgezogen, um "Slightly" in ein komplett neues Arrangement zu überführen. Wehmütig erklingt dieser Track nun, mit seiner sanft schwebenden Akkordlinie. Weiterhin glänzt dieser Remix durch pizzicato-artige Bassnoten. Sie tanzen förmlich auf der tief knurrenden und dennoch samtig-warmen Kontrabasslinie, welche dem Track das klangliche Fundament liefert. House straight outta Tha D!


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Wbeeza - City Shuffle EP

Warren Brown alias Wbeeza trägt sich mit "City Shuffle", seiner dritten 12" auf Third Ear endgültig in das Stammbuch auf keep-it-deep ein. Zum wiederholten Mal kann ich nicht anders, als das künstlerische Schaffenswerk des jungen Londoner Produzenten mit drei Worten beschreiben: heavy stuff inside!

"Candle Groove", der erste Track auf der A-Seite, verbreitet mit den ersten, sanft gleitenden Keyboard-Akkorden eine südstaatenwarme Atmosphäre, aus der eine satte Bassline, unterlegt mit einer Menge Funk, sowie eindringlich wippende Kickdrum-Beats hervorgehen. 808 Snare Claps und Hi Hat-Figuren, Swing Shuffles, nach dem Breakdown treiben das Tempo hart an. Chicago Calling! " Played live and recorded on the fly in one take with no editing", lautet ein Satz in der offiziellen Beschreibung des Label Third Ear - wenn das keine virtuose Leichtigkeit im Umgang mit der Musik ist?!

Durch hartes Stakkato-Riffing unterstützt, brettert Wbeeza auf "A116" durch einen auf das Wesentliche heruntergestrippten, in grobe rhythmische Einheiten aufgegliederten technoiden Sound. Melodiöse Harmoniefiguren, wawahende Flächen, soultrunken schmoove Vocals sucht man hier vergeblich.

"Hip Op", der erste Track auf der B-Seite, erhält seinen rhythmischen Biss von Beginn an durch eine Akkordfolge, deren Klangbild mich entfernt an den federnden Saitenklang eines Cembalos erinnern. Drone-artig anmutende Klangflächen im Hintergrund, die einmal rauschen, einmal knacken, einmal anschwellen, einmal abbrechen, sorgen für leichte Irritationen in dieser tonal-harmonischen Struktur, doch ein tiefer (Wobbel-)Bass sowie die mit einer Prise Funk angereicherte, tonnenschwer hämmernde Kickdrum sorgen für das (notwendige) House-Korrektiv. This is fresh!

Den gedanklichen Überbau zum letzten Tracks, "All Those Beats", liefert eine vielkulturelle, heterogene Gesellschaft, wie sie beispielsweise auch im London Borough Of Southwark, Warren "Wbeeza" Browns Heimat, zu finden ist. In seinem bildete diese einen idealen Nährboden für Kreativität, die ihren Niederschlag in der reichhaltigen musikalischen Vielfalt des letzten Tracks der 12" gefunden hat. Und dennoch oder gerade deshalb ist "All Those Beats" House.

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http://www.myspace.com/wbeeza

Kalabrese - Deep Shizzle Mix

"We gonna burn the house tonight" - gibt es eine passendere Programmansage für das bevorstehende Wochenende? Ich glaube nicht. Diese richtungsweisende Songzeile ist irgendwo auf dem neuesten, erst gestern veröffentlichten Mix des Züricher Clubs Zukunft zu finden. Die darin verarbeiteten Tracks wurden so sorgfältig ausgewählt, wie das nur möglich ist, und zwar von einem der Mitgründer und gleichzeitig Resident-DJ, dessen Name in die Ferne, in den Süden, in eine von zwei Meeren umspülte Region weist: Kalabrese. Ich will die Metaphorik des Namens nicht allzu sehr strapazieren, doch Sascha Winkler, wie Kalabrese mit bürgerlichem Namen heisst, schafft in seinen Sets regelmässig eine empfindsame und warme Atmosphäre, die einen aufhebt und den Alltag in eine unbestimmte Ferne entgleiten lässt. Dies gelingt ihm auch mit seinem knapp 80 Minuten langen "Deep Shizzle Mix", den es unter http://soundcloud.com/zukunft/kalabrese-deep-shizzle-mix zum Download gibt und den ich für absolut hörenswert erachte.

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Dienstag, 8. Dezember 2009

Ike - Lost 4 Trax

Bei aller Freude über die (neu entdeckte) Langsamkeit in der Musik, irgendwann muss auch ein wenig Geschwindigkeit sein. Und die liefert der geheimnisumwitterte Ike mit seiner neuen EP auf Michel Baumanns und Tobias Ettles Label Philpot, "Lost 4 Trax". Nach "Pressin On" (http://www.discogs.com/Ike-Pressin-On/master/99911) im Vorjahr das zweite Kunstwerk des Produzenten mit dem strahlkräftigen Namen.

Auf "Diskadenz" begegnen wir hart angeschlagenen Piano-Bassakkorden, die mich an stürmisch rollende Boogie Woogie-Kaskaden erinnern. Diesen entfesselt freiheitsbrausenden Charakter unterstützen metallische Cymbals sowie ein perkussives Drumming. Ein wenig zu viel des Guten (samplingbasierten) Arbeitens sind für den einen oder anderen möglicherweise die ins Mikro gehauchten Stimmphrasen. Dies ist jedoch eine streitbare Geschmacksfrage, die dementsprechend auch unbeantwortet bleibt. "Docs Edit" ist ein Track für's Sampleraten beziehungsweise diggen. Über (Old School) Hip Hop oder Disco wird man wohl sehr schnell im Soul und Funk der 60er- und 70er-Jahre landen. Ähnliche Lyrics beinhalten beispielsweise auch "I'm So High" von Three 6 Mafia oder "Who Got The Camera" von Ice Cube. Für's erste helfen auch Plattformen wie SecondHandSongs (http://www.secondhandsongs.com/) oder Whosampled (http://www.whosampled.com/) weiter. Aber ist es nicht gerade die Unergründbarkeit (einer anderen musikalischen Welt), die eine noch grössere Faszination auf einen ausübt, als wenn man die Einzelbestandteile eines Tracks mundgerecht aufbereitet vorgesetzt bekommt?! "Free To Fly" schliesslich besticht mit kurzen, knackigen Synth Chords und einem funkgeladenen Grundbeat, über den sich verträumt seidige Klangflächen sowie ein weiteres Vocal-Sample legen, dem es auf den Grund zu gehen gilt.


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Manolo - Lose Myself

Label mit (verhältnismässig) hohem Output laufen meines Erachtens leicht Gefahr, ein wenig ideenlos festgefahren zu wirken. Beispiele dafür möchte ich an dieser Stelle keine nennen, keep-it-deep ist ja schliesslich kein Verriss-Blog. Bei Delusions Of Grandeur bestehen für eine den Stil und die Qualität verwässernde Entwicklung jedoch (noch) keine Anzeichen, auch wenn das Labelprojekt von Craig Smith, The Revenge & Co. seit seiner Gründung im Frühjahr 2009 (erstes Release: "The Soul Part II" von Craig Smith & The Revenge, http://www.discogs.com/Craig-Smith-Revenge-The-Soul-Part-II/release/1752522) mit "Lose Myself" von Manolo bereits bei Nr. 6 im Veröffentlichungskatalog angekommen ist.

Mit Manolo dürfen die Tonträgerunternehmer einen zumindest für Delusions Of Grandeur neuen Namen begrüssen, denn dahinter verbirgt sich der aus Finnlands Hauptstadt Helsinki stammende Roberto Rodriguez. Der DJ und Produzent aus dem Tausend-Seen-Land sorgte zuletzt mit Tracks auf Jimpsters Freerange-Imprint (http://www.discogs.com/Roberto-Rodriguez-Besomebody-Singularity/master/41813), Composts Black Label-Edition (http://www.discogs.com/Roberto-Rodriguez-Feat-Max-C-Compost-Black-Label-33-Ride-EP/master/41819) und Ralph Lawsons 20:20 Visions (http://www.discogs.com/Crazy-P-Stop-Space-Return-Remixes-Part-2/release/1839517) für einiges Aufsehen. Dementsprechend zwecktauglich war allerdings auch der Sound, der stets auf einem tanzbaren Untergrund aufbaute und weniger (auch) für das Homelistening geeignet war. Doch wie heisst es so trefflich: Homelistening is killing clubs.

Mit seiner EP auf Delusions Of Grandeur spielt Roberto Rodriguez a.k.a. Manolo jedoch die Slow Motion House-/ (Cosmic) Disco-Karte aus und liefert ein sinnliches Arrangement ab, das weder in einem Klubkeller noch in einer beschaulichen, schön behüteten Wohnzimmerumgebung fehl am Platz wirkt. Gehört habe ich "Lose Myself" (auf der A-Seite) zum ersten Mal im labeleigenen Podcast unter http://delusionsofgrandeur.podomatic.com/, vor etwa vierzehn Tagen. Hier ging der Track jedoch zwischen Morgan Geists genialem Remix für Hot Toddys "I Need Love" und "Open Up" von KZA leider ein wenig unter. So jedenfalls mein Empfinden aus der Rückschau, denn ich konnte mich an ihn nicht (mehr) erinnern. Anyway. "Lose Myself" hat alle Zeit der Welt, sich tief in mein Gedächtnis einzubrennen.

Auf "Lose Myself" weiss Manolo mit Dubs, Hallräumen zu begeistern, die sich um Vocals und zungenschnalzendes Klangmaterial legen. In diese Hallräume könnte man förmlich tief eintauchen und sich in ihnen verlieren, wäre da nicht die machtvolle Bassline. Rückbesinnung lautet das Stichwort für "Commander". Dieser Track lehnt sich stark an eine Zeit, die manch ein Kulturkritiker oftmals vorschnell als "Zeit des schlechten Geschmacks" aburteilt und deren (kulturelle) Errungenschaften er nur einen geringen bleibenden Wert zuschreibt. Doch ohne diese Epoche kein schlängelnder Synthesizer-Discoteppich, wie ihn Manolo mit "Commander" knüpft. Für den Remix dieses Tracks zeichnen Wareika verantwortlich und kleiden den "Commander" dafür in ein poppiges Discogewand. Fein!


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P.S. Auf Vinyl ist "Lose Myself" bereits am 23. November erschienen. Digital und vorab exklusiv auf Beatport erscheint die EP vom 14. Dezember an.

Iron Curtis - Thoughts Of (Basic Mix)

Wie so oft zuvor lässt ein Track aus der kreativen Feder des Nürnbergers Iron Curtis mir die Sprache verschlagen. In den ersten Wochen des damals noch jungen Jahres 2009 war es seine auf Mirau erschienene "Solgerhood EP" mit "Pumping Velvet"(http://www.discogs.com/Iron-Curtis-Solgerhood-EP/release/1679694), einem aus der Tiefe gespeisten Bass Chord-Monster; auf den Sommer folgte "There and Then EP", eine 12" mit vier sehr entspannten, sonnig lockeren (Deep-) Housetunes (http://www.discogs.com/Iron-Curtis-There-And-Then-EP/release/1851668, http://keep-it-deep.blogspot.com/2009/07/iron-curtis-there-and-then-ep.html).

Vor fünf Tagen fütterte er er seinen Soundcloud-Account mit drei neuen Werken aus seiner Klangschmiede, von denen es mir insbesondere "Thoughts Of (Basic Mix)" angetan hat.
"Thoughts Of (Basic Mix)" ist eine Droge, die einen nicht mehr los lässt, zu sehr bindet dieser Track den Hörer mit einer magischen Soundfessel, und das von der ersten Sekunde an. Rhythmisch akzentuierte Synthesizer-Chords sorgen für einen charakteristischen Streichersound und geben mit Claps Takt und Tempo vor. Acht, neun Mal wiederholt, und schon werden wir mit anschwellenden Synthesizerflächen mitten hinein in den Track geschoben und von wuchtigen Kickdrums (hat mir dafür mal jemand einen anderen Ausdruck?) mit tiefem Sub-Bass-Fundament vorangetrieben. By the way: bei so einer Bassline muss Kerri Chandler aufpassen, dass ihm der Nürnberger Iron Curtis nicht noch den Titel "Mr. Killer-Killerbassline" abluchst. Dies musste gesagt sein, auch wenn mich dafür nun die Nostalgiker-Fraktion hassen wird. Um kein weiteres Majestätsverbrechen zu begehen, schweige ich an dieser Stelle still, lehne mich zurück und höre mir dafür lieber noch ein paar Mal "Thoughts Of (Basic Mix)" an. Here you go: http://soundcloud.com/iron-curtis/iron-curtis-thoughts-of-basic-mix. Möge dieser Track sehr bald veröffentlicht werden!

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Montag, 7. Dezember 2009

Interview mit DPlay (Mild Pitch, Drumpoet Community, Running Back)

Fudder, das Freiburger Informations- und Kommunikationsportal lädt am kommenden Samstag, den 12. Dezember 2009, ins Waldsee zu einer Weihnachtsfeier der besonderen Art. Als Gast-DJs werden die Berlinerin Tama Sumo (Ostgut Ton, Berghain / Panoramabar) sowie der Essener DPlay an den Plattentellern stehen.

Zwei Mitarbeiter dieses Portals haben sich mit DPlay über seine ersten Schritte auf dem Parkett der elektronischen Clubmusik, das Forum "Deep Groove", seine Clubveranstaltung "Slow Club" sowie das gemeinsam mit Langenberg und Manuel Tur gegründete Label Mild Pitch unterhalten. Das überaus informative und lesenswerte Interview ist zu finden unter: http://fudder.de/artikel/2009/12/07/dplay-von-einem-label-lebt-heute-keiner-mehr/.

XDB - Lost Tape EP

Ein Produzent, an dem in diesem Herbst beziehungsweise Winter wieder einmal kaum ein Vorbeikommen ist, stammt für einmal weder aus Detroit noch aus einer der europäischen, für elektronische Clubmusik bekannten Städte. Er lebt und arbeitet vielmehr in einer Stadt, die für mich vielmehr mit Wissenschaft und Lehre, mit empfindsamer, gefühlsbetonter und teilweise auch religiös gefärbter Dichtung in Verbindung bringe, denn mit feierbedingter Ausgelassenheit und Zügellosigkeit. Ein Ort kontemplativer Spiritualität also.

Die Stadt heisst Göttingen, und Kosta Athanassiadis alias XDB ist ein Kind von ihr, dessen künstlerischen Output mich seit einiger Zeit begeistert. "Espac" hiess die 12", erschienen auf Patrice Scotts Label Sistrum Recordings, die mir damals, im Frühjar 2008, das Kürzel XDB näher brachte. Doch damals ging ich noch sehr unbedarft an diese beiden, zwischen (Dub) Techno und (Deep) House stehenden Tracks des Göttinger DJs und Produzenten heran. Kein Nachteil, meines Erachtens, denn unbedarft in den Sound eines (für die eigene Soundlandkarte neuen) Produzenten einsteigen, hat oftmals den Vorteil, dass man diesem nicht mit einer nahezu akademischen Verkopftheit und mit einem grossen Ballast an Hintergrundwissen begegnet.


Nun, wenige Wochen vor den Weihnachtsfeiertagen, hat Kosta Athanassiadis / XDB nach der "Cagomi EP"(http://www.discogs.com/XDB-Cagomi-EP/master/180799), erschienen auf seinem eigenen Label Metrolux, mit der "Lost Tape EP" einen Viertracker auf Francois Kevorkians Label Wave Music veröffentlicht, von dessen Musik eine gewaltige Kraft ausgeht. Lieblingstrack? "Gate", auf der A-Seite. Ich liebe die sphärischen Klangschichten im Hintergrund, welche die dubbig blubbernden, hektischen Synth-Stabs wundervoll kontrastieren. Genauso verhält es sich mit dem wuchtigen Drumming, das sich zu einer bretterharten Soundwand aufbaut. Es steht so schön im Gegensatz zum unverständlichen, im Hall verschwindenden Gesang einer Frauenstimme.


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Lesenswertes Label- und Künstlerportrait auf de:bug: http://de-bug.de/mag/5321.html

Wundervolles DJ-Set von Kosta Athanassiadis / XDB auf soundcloud: http://soundcloud.com/uzuri/xdb-beatdow-mixx

ResidentAdvisor - Soulphiction Podcast

Montagabend. Es regnet. Ich bin erkältet. Beim Husten rasselt es in meinen Bronchien. Der Klang erinnert an eine jahrelang nicht nachgeschmierte Kettensäge. Dampfenden Thymiantee habe ich bereits im Zimmer aufgestellt, damit sich des Thymians ätherische Öle günstig auf die verklebten Lungenbläschen und so weiter auswirken. So bin ich an diesem Montagabend an mein Zuhause gebunden. Doch vielleicht ist dies auch ganz gut, denn von Freitag an werde ich ein wenig kraftzehrender unterwegs sein. Shaddy, Agent Schwiech und Motorcitysouls C-Rock im Drifter's, tags darauf DPlay und Tama Sumo im Waldsee. Und bis dahin weiter fleissig Tee trinken, ätherische Öle inhalieren und, selbstverständlich, Musik hören. Unter anderem auch den ausgezeichneten Podcast, eingespielt und aufgezeichnet von Stuttgarts Michel Baumann a.k.a. Soulphiction. Eine ganze Menge Classics, eine ganze Menge selbsterstellter Edits, eine ganze Menge unveröffentlichter Tracks. A Journey Into Sound!



Tracklist:


Willie Hutch - Give Me Some Of That Good Old Love - Motown
Manuel Tur - Beats & The Birds (Tim Toh Remix) - Edit
Kurokawa - Gifu 2 - CD-R
Ike - Free To Fly - Philpot
Missing Linkx - Can't U Get A Grip On... - Philpot
Lil Louis - I Called You - FFRR
GU - S.J.U. - Cajual
Alton Miller - Bxl (Snipp-edit) - CD-R
Chez Damier & Stacey Pullen - Forever Monna - Balance
Alton Miller - High Wind - CD-R
Ra.H - Fall Of Justice - Morphine
Reggie Dokes - Walk In Deepness - CD-R
Missing Linkx - Who To Call - Philpot
Scott Grooves - Bittersweet - CD-R
Vakula - Beat Ja - CD-R
Krause Duo - Untitled - Philpot
Ike - Doc's Edit - Philpot
Foremost Poets - Reasons To Be Dismal - Nugroove
Babatunde Olatunji - Drums Of Passion (Edit) - CD-R
Mike Clark - Let your... (Edit) - CD-R
Duane & Co - J.A.B. Traxx - Dance Mania
Terry Brookes - Stars - Deepart
Aybee - Hidden Treasures - Deepblak
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Freitag, 4. Dezember 2009

Gegenheimer - IPS (Back To The Raw) - Keep It Deep Guest Mix

Es ist Freitag, und somit ist es wieder einmal Zeit für eine neue Ausgabe in der Rubrik Guest Mix. Dieses Mal stammt er von Marco Gegenheimer, einem jungen schwedischen DJ und Produzenten, der seit einiger Zeit seine ursprüngliche Heimat gegen das temperamentvoll treibende und pulsierende Leben der katalonischen Hauptstadt Barcelona eingetauscht hat. Als Produzent ist er bisher auf dem kleinen Berliner Label Perplex Recordings in Erscheinung getreten, wo er in diesem Jahr zwei EPs, "de.EP.troit Part 1" und "de.EP.troit Part 2" veröffentlichen konnte. Weitere Releases auf Moodmusic stehen auch schon in den Startlöchern. Wer er ist, was ihn umtreibt, erklärt er im Folgenden, und danach geht's zum Mix. Viel Spass!

1. Dear Marco, would you like to introduce yourself?

My name is Marco Gegenheimer and I'm from Sweden. Currently, I'm living in Barcelona.

2. When did your initial music spark ignite?

It started when I was a little kid. I grew up listening to the rhythms of reggae, soul, funk, rock and flamenco thanks to my parents... That was the ignite, then I started listening to alternative undergound rock, Indie and post-punk and started playing guitar and drums in a band called Factious Combo... At the same time I got into dance music. My friend Hansi Güclüer in Stockholm taught me a lot about deep and raw rhythms. Detroit, Chicago, Berlin, New York, P-funk, Spiritual Jazz...

3. Who and what was your most important influence? who and what is it nowadays?

As a kid my biggest influence was without any doubt Michael Jackson. Now it's all my musical background, the universe and especially the love of my life: Ilaria Piga Serra. I might sound a bit cheesy, but it's true, she's the main inspiration for all the tracks I make.

4. How would you describe your own style?

Profound & raw storytelling music

5. You debuted on perplex recordings in june, you released another ep on this berlin based label a couple of days ago. how came that you started to produce your own tracks?

Well, as I mentioned before, I played in a band when I was 16-19. When I moved back to Barcelona in the summer of 2008 I started DJing again after a long break from it since 2003, and I wanted to start making my own electronic music as well. Also 2 years ago I recorded some of my old guitar tracks fro 2003, and one of them "Spiritual Love" got included on Joris Voorn's "Balance 014" mix and that made me want to start producing my own tracks even more.

6. What are you currently working on?

Well, the track selection for next years Moodmusic album with Jenius is basically done. Two more EP:s will come out on Moodmusic before that. Some future Perplex will come out next year, a track with Jenius on our label Ourvision Recordings which will be a lot of fun, and a bootleg from me and Jenius for Argy's White Days in February. We're also happy with our re-treatment of a Nick Chacona track called "Fear", featured on the Keep It Deep mix. So that remix will be released on Moodmusic in February along with other remixes, from for example, one of my favourite prodcurers at the moment, Levon Vincent. There are some new unsigned tracks I'm working on and some that are finished already. So if anyone knows any label that like my music and could be interested, let me know :-)

7. Is there a producer you'd love to work with?

Hmmm. Hard one. Probably Joe Claussell...

8. What are your future plans?

Go forward, stay humble, appreciate what I have in my life, always improve to become a better person and musician/producer.



Zum Mix geht's hier lang: http://www.sendspace.com/file/d8885v


Tracklist:

Gegenheimer - IPS (Heart Of the Universe) [CDR]
Pat Metheny - Sueño Con Mexico [ECM]
Felt - I Didn't Mean To Hurt You [Creation]
Ramp - Look Into the Sky [Blue Thumb]
Santana - When I Look Into Your Eyes [Columbia]
Osunlade - My Reflection (DJ Gregory Acapella) [Defected]
Mark E - Night Mover [Creative Use]
Moodymann - Tribute [Peacefrog]
Schatrax - Aliene's Journey [Schatrax]
Chaton - Cath the Beat (Agnès Remix) [STHLM Audio]
Quarion - Turn Off the Lights [Retreat]
Kerri Chandler - Back To the Raw (Ruff Mix) [Deeply Rooted House]
The Mountain People - 008.3 [Mountain People]
Marlow - Digga [Room With a View]
Nick Chacona - Fear (Gegenheimer & Jenius Fear and Loathing Re-interpretation) [Moodmusic]
Lalo Schifrin - Theme From Jaws (Maurice Fulton Re-interpretation) [Sony]
Marshall Jefferson vs. Noosa Heads - Mushrooms (Salt City Orchestra Out There Mix) [Airtight]
Oni Ayhun - 003 B [Oni Ayhun]
Brian Eno & David Byrne - Vocal Outtakes [Nonesuch]
Canyons - Blue Snakes [I'm a Cliché]
Coral Way Chiefs - Release Myself [Murk]
Levon Vincent - Solemn Days [Deconstruct Music]
Underground Resistance - Journey Of the Dragons [Underground Resistance]

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Russ Gabriel - Le Voyeur EP

Russ Gabriel ist ein wahres Urgestein der House- und Technoszene. In den Früh- und Mittneunzigern brillierte er mit ausgereiften Produktionen der etwas härteren und schnelleren Gangart, sei es als "Analogue Man" auf Djax-Up, als "Fusion" auf Carl Craigs Planet E und unter seinem eigenen Namen insbesondere auf Ferox, dem von ihm 1993 ins Leben gerufene Imprint, das bis etwa 1998 / 1999 seine grösste Blütezeit erfuhr. Ende der 90er-, Anfang der Nuller-Jahre war es etwas ruhiger um ihn. Zwar erschien auch in dieser Zeit ein ums andere Mal ein Track, der seinen Namen trug, doch trat er meiner Meinung nach in ein breiteres Rampenlicht erst wieder im vergangenen Jahr, als er für Anja Schneiders Label Mobilee Records eine 12" namens "The Fall Guy" produzierte (http://www.discogs.com/Russ-Gabriel-The-Fall-Guy/release/1431728).

Nun erscheint die Tage auf DJ Red Ds Label We Play House Recordings ein Dreitracker von Russ Gabriel, "Le Voyeur EP", auf der er seinen reichen Erfahrungsschatz von nahezu zwei Jahrzehnten auszuspielen und mit einem hohen Mass an Zeitgemässheit zu versehen weiss. "El Juan", der bereits im vergangenen Jahr als digital only auf Ferox erschienen ist, atmet eine ganze Menge Detroit. Erinnerungen an Kevin Saunderson's Projekt Inner City und an Derrick May's Rhythm Is Rhythm werden wach und nicht zuletzt an Juan Atkin's Cybotron-Releases. "El Juan" als Ehrerbietung an einen der Techno-Ur- und Überväter? Warum nicht, scheinen doch die stampfenden Beats, Synthesizer-Stakkati, und hymnischen Harmoniebögen auf "El Juan" straight outta Tha D zu stammen. Mit "Mister Din" bewegt sich Russ Gabriel an der Schnittstelle des House zwischen Chicago und Detroit und überzeugt mit der Verarbeitung eines jazzgeladenen Saxophon-Samples, welches Erinnerungen an das vielzitierte Bild des Saxophonspielers in der U-Bahn (oder L-Trains, da ich ja bereits Chicago ins Spiel brachte) weckt. Sehr sanft begegnet uns schliesslich "Le Voyeur", auf der B-Seite der 12", mit locker dahingeworfenen Keyboard-Akkorden und sanft fliessender, fast schon schwebender Perkussion.


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Ilija Rudman - Casual Joys

Wie übersetzt man "Casual Joys" am treffendsten ins Deutsche? Eine gute Dreiviertelstunde schlage ich mich bereits mit dem Versuch, dieses Wortpaar so korrekt und so wenig holprig wie möglich in meine Muttersprache zu übertragen. Doch ohne Erfolg. "Joys" lässt sich, ganz allgemein, mit Freuden wiedergeben, wobei der Begriffsumfang mehrere Bedeutungsebenen abdeckt, angefangen von weltlichen Freuden, vergängliche Freuden, trügerische Freuden, flüchtige Freuden, himmlische Freuden, wahre Freude, dauerhafte Freude, aber auch körperliche Freuden. "Casual" kann flüchtig, ungezwungen, gelegentlich, zwanglos oder unbeständig. "Casual" begegnet mir meist in Verbindung mit irgendwelchen Dresscode-Fragen, dem "casual friday" sowie "casual sex", Gelegenheitssex also, auch One-Night-Stand genannt.

Letztere Bedeutungsakzentuierung ist meines Erachtens auch die Richtung, die man einzuschlagen hat, um "Casual Joys" einem entsprechenden Ausdruck in der deutschen Sprache zuzuführen, nicht zuletzt, wenn man - und nun komme ich endlich zum Punkt - in die neue 12" auf Under The Shade reinhört. Das Vocal-Sample wird einem sofort auffallen, gesungen von einer Lady mit einer leicht rauchigen Stimme. "Love me, love me", haucht sie schmelzzart ins Mikrophon. Dass damit wohl kaum eine auf Dauer angelegte Beziehung gemeint ist, wissen wir Nachtschwärmer, die wir durchaus auch einmal einem hedonistischen Lebensstil frönen, nur zu gut.

Hinter "Casual Joys" steht der kroatische DJ und Produzent Ilija Rudman, den ich hier vor kurzem vorgestellt habe (http://keep-it-deep.blogspot.com/2009/11/ilija-rudman-night-people-instruments.html). Sein Song, auf der 12" der Original Mix, nimmt einen mit auf eine kurze Zeitreise in die 80er-Jahre. Einprägsam sind insbesondere das hart gespielte Piano, unterstützt von einer nicht minder markanten Bassline sowie den atmosphärischen Streichersynths im Hintergrund. Pete Herbert, der britische Leftfield Disco-Head, transferiert "Casual Joys" in eine Hochgeschwindigkeits-Elektrodisco-Nummer, die mir persönlich beim blossen hören nicht ganz so zusagt. Sein Remix ist sehr auf Tanzbarkeit getrimmt, dementsprechend bedarf es für ihn auch einen standesgemässen Clubkontext.

Auch ausserhalb dieses Clubkontexts funktioniert für mich - wie schon so oft - die Interpretation des Mannes aus Birmingham, Mark E. Mit seinem Remxi festigt er ein weiteres Mal seine Führungsposition unter den gegenwärtigen Slow Motion House- und Disco-Interpreten (wobei, einmal ist es Mark E, ein anderes mal The Revenge, dann wieder Eddie C. Genial sind sie alle!). Seit gestern gibt es sein Werk auf Soundcloud unter http://soundcloud.com/under-the-shade/ilija-rudman-casual-joys-mark-e-remix zum anhören. Kompakt, groove-orientiert, und mit einer beeindruckenden Portion Energie versehen, präsentiert er die "flüchtigen Freuden", die sich, müsste ich auf Englisch schreiben, mit lush washy synth driven slow motion house rework zusammenfassend umschreiben. Doch sag mir mal einer ein adäquates Wort für "synth driven"? Synthesizergetrieben hört sich einfach nicht gut an und wird auch den mächtigen Synthesizersounds, die Mark E in seinem Remix übereinanderschichtet, nicht gerecht. Killer tune!

"Casual Sounds" erscheint zudem noch als Instrumental, und wer sich die EP auf digitalem Weg besorgt, erhält zudem noch einen Remix von Jacques Renault.

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Donnerstag, 3. Dezember 2009

Marcello Napoletano - I.F.M. Mix

Marcello Napoletano hat mit seiner "A Prescription Of Love" auf Mathematics Recordings einfach einen Traumstart hingelegt und lässt mit seinem derzeitigen Wahnsinnslauf so manchen Produzenten alt aussehen. Seine Releases führen zu Stürmen der Begeisterung, und dass er auch als DJ ein begnadetes Händchen hat, zeigt eindrücklich sein Mix für den Züricher Club Zukunft, den es hier zum anhören und herunterladen gibt: http://soundcloud.com/zukunft/marcello-napoletano-i-f-m-mix.

Marcello Napoletano - In Dreaming

Der Absatz des italienischen Stiefels, Il Salento, ist bekannt für trocken-heisse Sommer und milde Winter. Beste klimatische Bedingungen also für mediterrane Spitzenprodukte. So lassen denn Begriffe wie "Formaggio Canestrato", "Orecchiette Pugliese" oder "Capocollo Pugliese" das Wasser in meinem Mund zusammenlaufen, genauso wie die Namen einer Vielzahl unterschätzter Weine und Olivenöle.

In der Musik geht es mir derzeit nicht anders. Fast reflexartig löst der Name Marcello Napoletano bei mir eine aufrichtige Freude aus. Dieser noch verhältnismässig junge Produzent, der ebenfalls aus dem Süden Italiens stammt, kreiert musikalische Spitzenprodukte, die einen internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Mit "A Prescription Of Love", erschienen in diesem Frühjahr auf Jamal Moss' Label Mathematics Recordings (http://keep-it-deep.blogspot.com/2009/05/marcello-napoletano-prescription-of.html) legte er ein bemerkenswertes und überaus gefeiertes Debütwerk vor. Zurecht, denn dieser Viertracker hatte und hat nicht nur oberflächlich betrachtet einiges zu bieten. Stichwort Langlebigkeit.

Vor kurzem hat Marcello Napoletano auf dem niederländischen Label Reincarnation Records eine weitere 12" an den Start gebracht, "In Dreaming", und reiht sich dabei ein in den Kreis namhafter Produzenten wie Tokyo Black Star, Atjazz und die Attias-Brüder, die sich in den vergangenen Jahren ebenfalls in den Veröffentlichungskatalog von Reincarnation Records eingetragen haben.

Auf "Hey Listen" begegnet man gewaltig anschwellenden Synth-Chords, Hand Clap-Elementen, dem Vocal-Sample "Hey, Listen! Oh, Listen!" sowie einem tiefen, tonnenschweren Bass. "House Class" prescht im Unterschied dazu mit einem rhythmischen Bassostinato und einem nahezu durchlaufenden Keyboard-Riff nach vorne, zudem sich eine anfänglich erst verhalten im Hintergrund bleibende, nach dem Break jedoch stärker akzentuierte Perkussion gesellt. Das Spiel mit schweren Synth-Chords, harmonischen Bassläufen und wuchtigen Kickdrums führt Marcello Napoletano auch auf "In Dreaming" fort, wohingegen "Vibe" mit virtuos-furioser Perkussion aufwartet. Man ist geneigt, das Wort "tribal" mit diesem letzten Track der EP in Verbindung zu bringen, wenn er nicht durch eine nahezu inflationäre Anwendung auf alles, was nur ansatzweise Perkussionselemente beinhaltet, entleert und entfunktionalisiert worden wäre.

Zu "In Dreaming" passt auch die, ebenfalls dieser Tage veröffentlichte "Back In The Days EP" auf Uzuri Recordings, an der Marcello Napoletano gemeinsam mit Francesco Schito a.k.a. Fran Mela gearbeitet hat. Unter dem Pseudonym I.F.M., vielmehr ein Akronym aus Ilario, Francesco und Marcello, erweisen sie ihrem Freund und DJ Ilario Corsano die letzte Ehre. Worth to check, am besten unter: http://uzurirecordings.com/470/uzuri-009-ifm-back-in-the-days-ep/


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Dienstag, 1. Dezember 2009

SE62 - Wall Ride

Wall Ride - war das nicht dieser adrenalintreibende und knochenbrecherische (Skateboard-)Trick, bei dem man auf irgendein Mäuerchen zufährt und dessen Wand - daher das wall - man mittels Ollie oder einem ähnlichen Standardtrick in Angriff nimmt und abfährt - daher das ride - ? Ich stelle fest, dass ich schon sehr lange aus dieser Sportart, die immer noch eine grosse Anziehungskraft auf mich als Zuschauer ausübt, draussen bin. Der Titel dieser 12" löste daher wehmütig träumerische, teilweise auch sehr schmerzhafte Erinnerungen an aufgeschürfte Knie und Ellenbogen, überdehnte Bänder, und sonstige Verletzungen aus, auch wenn die beiden darauf befindlichen Tracks alles andere als in dieser Stimmungslage produzierte Stücke sind.

Auf der 12" "Wall Ride" begegne ich wieder dem Kürzel SE62, das ich zuerst Anfang Oktober mehr flüchtig denn bewusst in der Tracklist von Red Rack'ems Guest Mix (http://keep-it-deep.blogspot.com/2009/10/red-rackem-beatdown-mix-keep-it-deep.html) wahrgenommen aber nicht weiter verfolgt habe. Dahinter verbirgt sich ein (junger) Produzent aus der Ukraine, von dem man möglicherweise und hoffentlich noch sehr viel in den kommenden Jahren hören wird. Die Chancen dazu stehen gut, denn er zählt zum engen Kern des in diesem Herbst neu gegründeten Labels Home Taping Is Killing Music, einer weiteren mittel-/nordenglischen und schottischen Plattform für Slow-Kultur in House und Disco.

Die A-Seite wartet denn mit dem Kanadier Eddie C als Remixer einer meiner liebsten Produzenten und Mixbastler mit einer Überarbeitung des bis dato noch unveröffentlicht gebliebenen "Wall Ride" auf. Ein sommerlicher Track mit leichtbeschwingtem Melodielauf, sanft schnurrendem Bass, rhythmischen Hand Claps, der jedoch auch das sanfte gleiten über einen zugefrorenen See sehr gut begleiten könnte. Der Ukrainer SE62 brilliert mit "The Tape" und setzt mit seinem Oevre einen Kontrapunkt zur Hochgeschwindigkeitsgesellschaft, deren Sogwirkung oftmals auch vor Clubs nicht zurückschreckt ( so auch der Freiburger DJ Bertram, der aus mir immer noch unerklärlichen Gründen seine Platten in seinem Warm Up für Prosumer so unerträglich hochgepitcht hat).


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