Freitag, 30. März 2012

Kai von Glasow - Keep It Deep Guest Mix

Freitag. Wochenend- und damit auch Podcast-Zeit. Der neue Podcast kommt aus der Ruhr-Metropole Essen, in der clubmusikkulturell von House bis Techno seit einiger Zeit so viel bewegt wird, dass ich kaum nachkomme, alles zu erfassen.

Einer der jungen Protagonisten dieser Szene ist auch Kai von Glasow, der seine Plattenleger-Skills regelmässig in Essens Club Hotel Shanghai zur Anwendung bringt. Seine bisherigen Produktionen fanden Eingang in die Label Terpsiton und Mild Pitch, die unbestritten zu den spannendsten deutschen House-Imprints der Gegenwart zählen. "Unkind", so der Titel seiner neuen 12" erschien gerade erst auf Mild Pitch, hätte an dieser Stelle schon lange besprochen werden sollen, aber die Zeit, die zerrinnende Zeit! Umso mehr freue ich mich, am heutigen Freitagabend - wie gehabt - zunächst den Podcast präsentieren zu können. Interview folgt nach!



INTERVIEW

[soonish]

PODCAST





English (short) version: our today's guest mix is compiled and recorded by Kai von Glasow, an up and coming German DJ and producer. He is an active member of Terpsiton, a stunning label and artist platform, on which he debuted with a 12" in 2010. Recently, he released the 12" "Unkind" on Mild Pitch. Definitely a must to check out this artist!



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Kai von Glasow @ Soundcloud
Kai von Glasow bandcamp

Gerry Read - Yeh Come Dance

Veröffentlichungen junger Produzenten werden gerne mit einem gewissen Hype begleitet. Kaum steht ihre erste EP in den Regalen der noch verbliebenen Plattenläden, kaum lassen sich die Stücke auf Online-Portalen wie Beatport, Junodownload oder Whatpeopleplay erwerben, setzt sich die Medienmaschinerie in Bewegung. Hin und wieder auch schon davor.

Moment. Habe ich tatsächlich "Hype" geschrieben? Kann man wirklich schon von einem solchen Phänomen sprechen, nur weil sich Szene- und Musik-affine Blogs und renommierte Print- und Online-Magazine mit dem Künstler auseinandersetzen, sein Schaffenswerk von allen erdenklichen Seiten beleuchten und ihm in Interviews und mit Portraits eine Plattform bieten?

Ich denke nicht. Nur weil sich ein - überschaubarer - Kreis von Menschen - auf einmal - für einen neuen Namen und möglicherweise aufgehenden Stern am Produzentenfirmament interessiert, bedeutet das noch lange nicht, dass eine Information mit einem gewissen nachrichtlichen Wert übertrieben aufgebläht wird. Zudem: Wer sich eingehend mit Musik beschäftigt, wird doch beständig getrieben von der Neugier und dem Interesse an bis dahin weitgehend unbekannten Künstlern, vielleicht auch ein wenig von der Sehnsucht und Hoffnung, dass dieser neue Name House, Techno und dergleichen revolutionieren werde, und ist dementsprechend froh, von ihm und seiner Musik zu erfahren.

Solch messianisch revolutionären Charakter muss ein Produzent meines Erachtens nicht mitbringen, und ich denke, dass dieser auch bei einem Gerry Read nicht auszumachen ist. Obschon: dieser junge Produzent hat über das Jahr 2011 hinweg bis jetzt so verdammt gute Tracks veröffentlicht, Tracks, deren Wow-Effekt sich auch nach dem x-ten Abspielen nicht abgeschwächt hat, so dass man ihm gerne schon jetzt eine gewisse Heilsbringerrolle zudenken möchte. Aber Gerry Read ist trotz vielgelobter EPs auf Fourthwave oder 2nd Drop Recordings kein pastoraler Schwafler, der seine Person und seine Musik mit ausladenden Wortgirlanden behängt. Mir scheint vielmehr, dass er sich umso stärker zurückzieht in seine Klangschmiede. Dort lodert das heisse Feuer und sprühen die Funken, wenn er sich an seinen Tracks zu schaffen macht. Diese bestehen aus kantig harten, immer ein wenig metallisch klingenden Beat Pattern. Kickdrums stampfen, Hi Hats zischen, die Rim Shots und Snares peitschen - so muss es in einem Fabrikraum zu Beginn der Industrialisierung geklungen haben. Dazu gesellen sich verrauchte, staubige Synthesizer-Elemente, Melodie- und Sprachsamples. Verstörend. Euphorisierend. Man könnte aber auch schreiben: Detroiter Roughness trifft auf schweisstreibenden Manchester Rave und sinnlich-glamouröse Sexiness von Garage und House.






English (short) version: sex appeal and ravey roughness - this is Gerry Read!



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Onmutu Mechanicks - Phosphor

Dub Techno. Schwieriges Pflaster. Nirgendwo sonst erheben sich die kritischen Stimmen schneller und lauter als bei Veröffentlichungen, die man in diese Genrekiste einordnet. Dub Techno beginne und Ende mit dem Werk von Moritz von Oswald und Mark Ernestus, so ihr Argument. Basic Channel, Maurizio, und dann komme erst einmal lange gar nichts. Alle nachfolgende Musik habe lediglich epigonalen Charakter.

Das sehe ich nicht ganz so eng. Auch wenn gerade die frühen Neunziger Jahre und die Platten der erwähnten Künstler unbestritten von überragendem und bleibendem Wert sind, bedeutet das nicht, dass sich keiner mehr an dieses Genre heranwagen und die Musik mit seiner eigenen Handschrift fortschreiben darf. Grossartiges Vinyl gibt es beispielsweise von Sven Schienhammer alias Quantec, von Luke Hess oder Rod Modell und Stephen Hitchell aus Detroit, deren Releases auf Deepchord unerschwinglich geworden sind, oder Resoe. Letzterer hat gerade erst "Untold Secreds" auf dem Label Curle Recordings veröffentlicht. Aber auch die Diskographie des unbekannt-bekannten Knowone darf man dazu zählen.

Ein Produzent, der in dieser Aufzählung nicht fehlen darf, ist Arne Weinberg mit seinem Projekt Onmutu Mechanicks. Hier verbindet er scharfkantige, harte Beats mit Chords, die er durch Echokammern jagt, dunkel romantischen Synthesizer-Melodien und bedrohlich grummelnden Bässen. Ebenso verfährt Weinberg auf den drei Tracks seiner neuesten EP, die kürzlich auf dem dänischen Label Echocord (Colour) erschien. Für sie hat er feine, organische Synthesizer-Fäden zu dichtem, schwerem Tuch verwoben, das er wie einen Umhang über die Schultern der majestätisch aufragenden Bassdrum-Türme legt. Als Remixer steht ihm Norman Nodge zur Seite. Er befreit die Chords von ihrer bleiernen Schwere und lässt sie frei strömen zu einer kraftvoll rollenden Rhythmusfraktion aus wuchtigen Kickdrums und einem Bass, den Nodge samtweich und dennoch expressiv ausgestaltet. Killer!






English (short) version: Finest dub techno from Arne Weinberg under his Onmutu Mechanicks moniker and a stunning, deep and powerfully rolling remix by Norman Nodge.



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Onmutu Mechanicks / Arne Weinberg @ Soundcloud
Onmutu Mechanicks / Arne Weinberg / Diametric
Onmutu Mechanicks / Arne Weinberg - BTE Mix @ Soundcloud
Echocord
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Donnerstag, 29. März 2012

Murat Tepeli - In The Mood for...

Philpot hatte mit Veröffentlichungen von Arttu ("Transfiguration"), Tim Toh ("Pandemonium") oder "Freerotation" vom Labelgründer Michel Baumann unter dessen Soulphiction-Alias ein starkes Jahr 2011 (genauso wie auch 2010, 2009, 2008 starke Jahre waren). Nicht weniger kraftvoll beginnt die Plattform für kantig unbequeme und unverwüstliche House Sounds ihr Jahr 2012 und beglückt uns mit drei Tracks des Kölner DJs und Produzenten Murat Tepeli, die er unter dem Titel "In The Mood for..." auf einer 12" vereint hat.

Murat Tepeli mag für manche ein neuer Name am Produzentenhimmel sein, da er nun wirklich nicht zu den Künstlern gehört, die eigene Stücke raushauen und Remixaufträge wie am Fliessband abarbeiten. Deshalb ein kleiner Exkurs: Zur Clubmusik gefunden hat Tepeli, der irgendwann irgendwo in der Nähe von Hannover geboren wurde, in den frühen Neunziger Jahren. Zu dieser Zeit war er stilistisch noch polyamour, bewegte sich zwischen Hip Hop und Drum'n'Bass, Disco und House. Mit der Zeit wurde seine Liebe zu Jack stärker und stärker, so dass er sich eines Tages entschied, sich ganz auf eine Musik zu konzentrieren, die durchdrungen ist vom Warehouse-Spirit Chicagos. Vom Hip Hop hat er dabei eine street-typische Rotzigeit und Schnoddrigkeit mitgenommen, die er schon bald in die Produktion eigener Beats einbringt.

Irgendwann lernt er Achim Brandenburg alias Prosumer kennen. Aus diesem Kontakt entsteht nicht nur eine EP auf Playhouse, "On A Ride", sondern mit "Serenity" ein ganzes Album, das 2008 auf Ostgut Ton erschien. Die Songs darauf sind stark beeinflusst von... Ja. Wovon eigentlich? Tut man Murat Tepeli und Prosumer unrecht, wenn man ihre Musik herunterbricht auf House, der ganz im Heard'schen Chicago-Stil gehalten ist? Jedenfalls erinnern mich die sparsam eingesetzten, dunklen und traumwandlerisch schwebenden Synthesizer sowie die fliessende Melancholie in den Vocals von Prosumer und Elif Bicer an die Chicago-Rhapsodien von einst, was daran liegt, dass beide Produzenten mit den überlieferten und bewährten Formen, Mustern und Strukturen feinfühlig umgehen. Zeitlose, an Geschichte und Tradition geschulte Moderne. Oder so. Weiter geht's. In der Folge erschien immer wieder mal ein Track von Murat Tepeli, mal in Zusammenarbeit mit Prosumer, mal mit Elif Bicer, und im vergangenen Jahr dann zwei Remixe für Damiano von Erckerts Label ava. records.

Und nun endlich zu "In The Mood for..." Wie gut, dass Murat Tepeli den Titel offen hält, sich selbst und damit auch die EP nicht auf eine explizite Stimmung festlegt. Denn der Kölner zeigt sich darauf so vielseitig und stimmungsreich, dass man das Grundgefühl der Platte kaum mit einem Wort beschreiben kann. Da wäre zum einen "Ciftetelli", das mit seinem jackenden Groove wie eine Energiequelle wirkt, die sich nie erschöpft. Dafür verantwortlich ist das Herzstück des Tracks: rohe Drum Pattern. Wild schäumend fräsen sie sich in den Körper, wie ein Gebirgsbach in das Felsgestein und reissen mit, was sich ihnen in den Weg stellt. Der melodische Teil ist reduziert auf Strings sowie eine traurig singende Synthline im Hintergrund. Ganz anders dagegen "Mastika": Hierauf präsentiert Murat Tepeli einen heiser grummelnden Bass, den er auf eine weinende Melodiephrase treffen lässt. Wehmütig besingt sie vergangene Warehouse-Zeiten, ist aber dennoch weit davon entfernt, vorbekannte Harmonien zu zitieren und in ein nostalgisches Pathos zu verfallen. "good" siedelt an der Schnittstelle zwischen House und experimenteller Musik und rundet die EP bestens ab.



English (short) version: Murat Tepeli delivers rough jackin' house music for your body and sketches of dreamy, atmospherical sounds for your mind. Top!



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Murat Tepeli @ Rote Liebe Radio (w/ Marquese)
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M>O>S / Aroy Dee - Lost Digits

Zwei - unvermeidliche - Begebenheiten, die ich nicht sonderlich mag: Erstens, im Verlauf einer Clubnacht nach einem Track gefragt zu werden. Meist verbindet Mein Gehirn diese Frage mit dem Negativerlebnis 'Prüfungsdruck' und der Angst, an dieser Frage zu scheitern. Die Folge davon ist ein kurzes Blackout und das Schuldigbleiben der Antwort, auch wenn Informationen wie Titel, Produzent, Label und so weiter grundsätzlich abrufbar gespeichert sind. Zweitens, nach meinem all time favourite gefragt zu werden. Denn ich werde den Eindruck nicht los, der Fragende erwartet sich von mir, dass ich ihm ein rares Detroit-, Chicago- oder sonstiges Stück nenne, einen 'secret weapon track', den auch discogs.com nicht führt.

Die erste Situation lässt sich gut vermeiden: auf die Tanzfläche gehen, Augen schliessen, tanzen und am Ende der Veranstaltung schnell verschwinden. Der zweiten Situation zu entgehen, ist etwas schwieriger. Aber immerhin kann man sich besser auf sie vorbereiten, in dem man sich in einer freien Minute ein paar Stücke überlegt, die man dann mit einer gewissen Lässigkeit nennen kann. Ein Track, der bei mir unter die Kategorie 'all time favourite' fällt, ist "The Planets" von Aroy Dee. Ursprünglich erschien er 2003 auf NWAQ. 2009 wurde er ein weiteres Mal aufgelegt und zusammen mit einem Remix von Vince Watson veröffentlicht, der einen durchrüttelt wie ein Herbstwind, der wild durch Baumkronen fährt.

Dieser Produzent, Aroy Dee, steht mit seiner Musik für eine felsschroffe Soundästhetik. Rauhe Beat Pattern entfalten in seinen Stücken vom ersten Takt an einen klare und dynamische Unmittelbarkeit - ganz unabhängig davon, ob der Track langsam oder in einem forschen Mid Tempo gehalten ist. Mit seinen Beats bringt Aroy Dee Boden und Wände eines Clubs zum beben, und die tiefen, dunklen, schwebenden Bässe verstärken ihre Wuchtigkeit. Besonders beeindruckend: die psychedelischen Synthesizer, die gleichsam in der Luft, über dem Rhythmusgerüst liegen und hell strahlen wie Aurora Borealis, das Polarlicht.

In Sachen Unmittelbarkeit und Dynamik lässt Aroy Dee auch auf seiner neuen 12" "Lost Digits", die dieser Tage auf Steffis Label Dolly erscheint, nichts vermissen. Im Titeltrack lädt der niederländische Produzent ein zu einer rauschhaften Fahrt durch zerklüftete Gebirgswelten aus Bassdrum-, Rim Shot- und Snare-Sedimenten, die alle analogen Ursprungs sind. Auf "Belfast" stellt Aroy Dee dagegen Bass und Acid Synthesizer in den Vordergrund. Die Beats sind zwar weniger zerklüftet, aber kaum zugänglicher, kaum lieblicher, was an den nervösen Hi-Hat-Blitzen und Snares liegt, die wie Blitze niedergehen und die Klanglandschaft elektrisch aufladen. In dieselbe Kerbe schlägt auch "Insolence".

Als Remixer tritt Marcel Fengler auf. Seiner "Sphinx EP" zählte und zählt noch immer zu den herausragendsten Techno-Platten des vergangenen Jahres, und dass er auch vom Handwerk des Zerlegens und Neuarrangierens viel versteht, bewies der Berghain-Resident mit Remixen für Coincidence Records ("Quake - Device Overload - Marcel Fengler Remix") oder Perc Trax ("Sawf - Unrhythm - Marcel Fengler Remix"), letzterer ein energetischer, ungezügelt bollernder Kracher. Auf Delsin vermag sich Fengler meines Erachtens noch ein wenig zu steigern und setzt aus meiner Sicht dem Original noch eins oben drauf, indem er Aroy Dees rohester Version von House einen schnittigeren Groove verpasst, was der traumverhangenen Atmosphäre jedoch nichts wegnimmt. Schnörkelloses Kraftpaket mit hoher Dynamik und mächtigem Drehmoment!



English (short) version: Aroy Dee delivering a journey into the depths of powerful analogue house music. Remix by Marcel Fengler: powerhouse techno!



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Aroy Dee @ MySpace
Aroy Dee - Interview @ Little White Earbuds
Aroy Dee - DJ Mix @ Zero" Podcast
Dolly - Label Page @ Resident Advisor

Montag, 26. März 2012

Mixed up monday (99)

http://www.flickr.com/photos/simonhua/6853455347/
Bis zu dem gerade vergangenen Wochenende dachte ich, das helle Frühlingslicht verhindere das Aufkommen sentimentaler Gedanken. Nun weiss ich, dass dem nicht so ist. Schon gar nicht, wenn man an einem dieser wirklich warmen Tage Abschied nehmen muss von einem Menschen, der mich vor allem im Kleinkindalter auf spielerische Weise zu den verschiedensten Rhythmen herangeführt und der mit seinem weltoffenen Wesen und fröhlich-beschwingten Art massgeblich dazu beigetragen hat, dass ich den Weg zur Dance Music im weitesten Sinn finden konnte. Goodbye, my dancer!



In die heutige Rundschau starte ich mit einem Podcast aus Essen. Sein Urheber? Niklas Große Hündfeld alias Niki. Er gehört zum Künstlerkreis um das Label Terpsiton, worauf er letztes Jahr zusammen mit Phil Hampel und The Scene auch eigene Tracks veröffentlicht hat. 2011 hat er sich auch in die hauseigene Podcast-Serie eingereiht. In seinem Mix "Tumba Ba" schaut er über den oftmals doch sehr begrenzten House-Horizont hinaus. Für Momente, in denen das Rotweinglas nicht grossvolumig genug, der Malbec nicht trockensüss genug sein kann.





Perfekt mit einem Glas perlenden Rieslingsekt einher geht der folgende Mix, den Andi De Luxe, Mitgründer und -betreiber des Labels disko für  die Podcastreihe auf Soultunes aufgenommen hat. Frank Booker auf Sleazy Beats, Love Unlimited, die Vierte sowie LeSale auf Luv Shack Records sorgen Spritzigkeit und feine Perlage, wohingegen KRL sowie John Talabot und Pional den Mix abrunden und für cremig-zarte Fruchtnoten sorgen.

Andi De Luxe - Soultunes Podcast 005




Benjamin Kujath a.k.a. BenK, aktiver und selbsternannter Deepoptimist, liefert mit einem sonnenverwöhnt fruchtigen Vinyl-Mix den perfekten Begleiter für sonnenhelle Tage, wie es der heutige Montag war. Schon mit den ersten Takten begrüssen einen Melodien und Harmonien, gesegnet mit verschwenderischen House-Aromen - Chicago, Detroit, New York -, und trotzdem wirkt  der Mix zu keiner Zeit wuchtig.







Eine dichte Granatfarbe und herbwürzige Aromen charakterisieren den folgenden Podcast, aufgenommenvon Wiebke Pranz alias Elin, die vor einigen Jahren die Hamburger Veranstaltung Dear ins Leben gerufen hat. Sie holte mit Gästen wie Levon Vincent, Prosumer, Soundstream oder Vertretern des Dresdener Label Uncanny Valley Künstler an die Elbe, die mit ihren DJ-Sets für das einstehen, was House Music benötigt: Kraft, Eleganz und profunde Tiefe. Elin ist jedoch nicht nur Veranstalterin, sie steht auch selbst an den Plattentellern. Verständlich, dass auch ihr neuester Mix "Night's Falling" ebenfalls mit Kraft, Eleganz und profunder Tiefe überzeugt. Killer!






Wer in den letzten achtzehn Monaten auf Soundcloud aktiv war, wird ihm mit Sicherheit begegnet sein:  Emil Seidel. Wie am Fließband stellt der junge DJ und Produzent aus Frankfurt eigene Skizzen ins Netz, die unter anderem schon Eingang fanden zu Label wie Chevengur Melody oder Compost Black. Vergangene Woche veröffentlichte Seidel zudem auch ein neues Mixtape mit Tracks von Achterbahn D'Amour, Simoncino oder Don Williams. Geht rein wie'n trockener Gin mit angenehmer Zitrusnote.






Sehr komplex, harmonisch weich, mit dezenter Rauchnote dagegen "Dreamscapes", die neueste Mische von Rob Heenan aus Irland. Andere DJs arbeiten zwar auch mit denselben Zutaten, sprich Platten, aber Heenans Mixe sind immer so ausgewogen, abgerundet, man kann sie zu jeder Tages- oder Nachtzeit geniessen.






Nun noch ein Blick nach Berlin. Dort haben Tristen und Oliver Deutschmann zusammen die aktuelle Ausgabe der Falkplatz-Session, die ausgestrahlt wird via Sweat Lodge Radio,  bestritten. Ein edler Tropfen Vodka für den Tiefenrausch!

Tristen & Oliver Deutschmann - Falkplatz Sessions # 5



Zum Abschluss noch der Hinweis auf den neuesten Crackcast, der Podcast-Reihe des Crack-Magazins. Für ihn am Mischpult stand der Londoner Will Saul, Betreiber von Simple und Aus Music. Don't miss this:

Will Saul - Crackcast #015




English (short) version: Last week, I had to say goodbye to a beloved person, a person who brought me to rhythm and dance music when I was a little child. As time goes by...! Today's review is highlighting mixes by Niki of Terpsiton records, Andi De Luxe of Dikso records, Tristen, Oliver Deutschmann and a few others.

Mittwoch, 21. März 2012

Mixed up... (98)

magi-labyrinthofmagic
Letzte Woche noch grosse Töne gespuckt, es gebe regelmässig Montags einen "Mixed up monday"-Eintrag mit jede Menge Mixtapes, Podcasts, Sets, und dann kommen in dieser Woche zahlreiche Arbeiten auf mich zu, die es zeitnah zu erledigen gilt, und schon kommt ein 'Veröffentlichungsplan' durcheinander. Deshalb will ich mich auch nicht lange mit Nebensächlichkeiten aufhalten, sondern geschwind zur Sache kommen.













Das Intro der Rundschau spielt heute Mista Chinn mit einem Mix auf Another Night On Earth. Mista Chinn stammt aus Los Angeles, bringt mit Godwrk bald sein eigenes Label an den Start, liebt Soul, Disco und R'n'B, den guten wohlgemerkt, und genau aus solchen Sounds hat er seinen Mix zusammengestellt:

Mista Chinn - Press Play #58 - Mix @ Another Night On Earth



Weiter geht es zu den Jungs Testpressing, die sich mal wieder als stilsichere Garanten für sommerlich leichte Klanggenüsse erweisen. Der erste Mix ist gerade einmal eine Woche alt, wurde aufgenommen von Andy Pye, dem Mann hinter Balearic Social, und der zweite Mix kommt von Tiago aus Portugal. Wenn ich morgen nicht zu einer so unmenschlich frühen Zeit rausmüsste, würde ich mir Gin mit Tonic mischen und in der Musik aufgehen:

Balearic Social - First Birthday Mix @ Testpressing

Tiago - Test Press Mix #181



Von Balearischem zu Kosmischem mit Andy Ash, dem aufstrebenden DJ und Produzenten aus UK, der schon auf Stilove4music und On The Prowl, vor allem aber auf seinem eigenen Imprint Boogie Originals mit Veröffentlichungen glänzen kann. Für Cosmic Boogie schmeisst er einige noch unveröffentlichte und bekannte Sounds zusammen, darunter die ausgezeichnete "Detroit Swindle" sowie Hundred20 auf Dekmantel. Don't miss!





Für den folgenden Mix verlassen wir die abgegrenzten Bereiche irdischer Genre und lassen uns von Dirk Rumpff mit der neuesten Ausgabe seiner Offtrack Radio Show vom 18. März 2012 in lichte Höhen entführen. Er beginnt seinen Mix mit einem wunderbar eigenwilligen Stück der Helium Robots auf Running Back, spielt sich durch Tracks mit hohem Bassgehalt, ein wenig Hip Hop und packt obendrein mit der neuen Philpot von Murat Tepeli sowie Gerry Read auf Delsin zwei aktuelle Lieblinge mit in den Mix. Perfekt!





Kein Set passt im Anschluss daran besser, als ein Mitschnitt von Move D. Dieses Mal ist es ein Set, das der vor wenigen Tagen im Club Air in Tokyo gespielt hat. Und wieder einmal ist es die Auswahl aus klassischen House-Sounds, nordisch-discoiden Nummern sowie aktuellen Releases, die mich vom ersten Takt an vollständig vereinnahmt. Epic!





Von Move D zu Margaret Dygas. Diese hat vor einiger Zeit einen Podcast für das Lifestyle-Portal oki-ni abgeliefert. Ihrem Mix gab sie den Titel "Monday", kann man aber auch gut an Mittwochen und Donnerstagen anhören. Eigentlich die ganze Woche über.

Margaret Dygas - Podcast @ oki-ni



Margaret Dygas' Musikauswahl zielt immer auch ein wenig stärker auf die Komponente 'mind' im Dreigefüge 'body-mind-soul' ab. Deshalb gibt's im Anschluss an ihren Mix die 'Mind Machine' auf Sonic Sunset. Techno. Alt und neu. Dub und Detroit. Basic Channel. Sandwell Disctrict. Source.

Mind Machine - Sonic Sunset



Zum Ausklang noch ein wenig Heavy Bass und analoge Drum Pattern, serviert von Peverelist in einem kurzen Showcase-Mix für Benji Bs Radio Show. Tracks von Kowton, Asusu und Peverelist himself, die auf seinem neuen Imprint Livity Sound erschienen sind oder erscheinen werden. Trip!



Download: Peverelist - 30 Minute Mix for Radio 1 - Download @ Punchdrunk Music



Dass Brennan Green von mir sehr geschätzt wird, dürfte inzwischen auch bekannt sein. Deshalb abschliessend sein neuester Mix, veröffentlicht auf dem Fabric Blog. Interview gibt's dort obendrein noch.

Brennan Green - Fantasia Mix Pt. 1 @ Fabric Blog




English (short) version: better late than...: we provide you with mixes from artists like Move D, Margaret Dygas, Peverelist, Brennan Green, Tiago and others. Enjoy!!!

Âme (live) @ Waldsee: Ein kleiner Nachtrag

Nun ist sie Geschichte, die Feier zum einjährigen Jubiläum der Freiburger Veranstaltungsreihe O(h)rbital, die schon im Vorfeld für einigen Gesprächsstoff unter Freiburger Musikenthusiasten und Nachtaktiven sorgte. Die Thematik inhaltlich zusammengefasst: Vorfreude auf das Live-Set von Frank Wiedemann (Âme) und das DJ-Set von Hendrik Vogel als Wegbereiter dafür, eine leichte Skepsis, ob sich die Gebrüder Teichmann musikalisch gut in den Abend einfügen würden sowie Verwunderung, wenn nicht gar Entsetzen, dass irgendwo zwischendrin auch noch eine Spielzeit für Chris Milla vorgesehen war. Mir schien das reiflich unüberlegt zu sein, denn wann immer ich ein Set von Chris Milla hören musste, knüppelte dieser mit kalten Klackersounds und in einer unbarmherzigen Härte und Geschwindigkeit drauf los - und steht mit seiner Musik so ziemlich für das Gegenteil dessen, was Âme auf Deutsch bedeutet: Seele. Doch eines nach dem anderen.

Hendrik Vogel habe ich in den vergangenen Jahren immer wieder einmal an den Plattenspielern erleben dürfen, ob all night long im Waldsee bei tageins, in der Jackson Pollock Bar oder im Jazzhaus. Seine Sets waren stets grundsolide, mit deutlichem Fokus auf zeitgemässem House und Ausflügen zu vertrackteren, experimentellen Stücken und poppigeren Electronica-Songs, die vom Sound her zwischen BPitch Control 2011/2012 und Kompakts Pop Ambient-Universum liegen. Hendrik Vogel war immer gut, aber selten habe ich ihn so gefühlvoll auflegen hören, wie am vergangenen Freitag. Mit einer tief ins Herz gehenden Auswahl an zartschmelzenden Electronica-Songs, leicht vom Dubstep angehauchten Sounds und geradlinigem House aus der frühen Drumpoet-, Compost Black Label-Ecke sowie Zeitgemässem von Label wie Mojuba/Essays, hüllte er das Waldsee in eine entspannte und angenehme Wohlfühlatmosphäre, die es einem ermöglichte, sowohl an der Bar für ein paar Drinks stehen zu bleiben als auch bereits das Tanzparkett zu betreten.

Erste Überraschung des Abends: Nicht Frank Wiedemann von Âme, sondern die Gebrüder Teichmann übernahmen von Hendrik Vogel. Zweite Überraschung des Abends: Die Jungs waren richtig gut. Will sagen: Sie setzten mit sehr viel Feingefühl am Groove und an der Stimmung von Hendrik Vogel an. Kaum merklich steigerten sie das Tempo und sorgten für Punch mit trocken-reduzierten House-Platten von Losoul, Soul Capsule & Co. Dritte Überraschung: Die Gebrüder Teichmann hoben sich das Beste für den Schluss auf, denn sie beendeten ihr Set mit der phänomenal guten LFO vs. Fuse auf Plus 8 - das Zusammenspiel von ungestüm wilden Drum Pattern, einer Acid Synth-Line und sphärischen Flächensounds im Hintergrund auf dieser Platte lässt mich jedes Mal ehrfürchtig erschaudern. Damit machten die beiden DJs auch den einen oder anderen Track mit bratzigen Motorsäge-Synthesizer vergessen. Dass ich solche Sounds nicht feiere, ist ja bekannt.

Dementsprechend konnte Frank Wiedemann eine Tanzfläche mit gut aufgeheizten Körpern übernehmen. Unter der Prämisse eines reinen Club-Sets, fand ich das Showcase des 'Sound of Âme' stimmig und schlüssig. Frank Wiedemann eröffnete es mit einer Neu-Interpretation von "Rrose Selavy" und spielte sich im Anschluss daran durch zwei, drei Remixe, die in den Jahren 2005/2006 entstanden. Unter anderem dabei waren die Remixe zu Rodamaals "Insomnia" und Akabus "Phuture Bound". Damals wie heute überzeugte mich die eigentümliche, die Spannung steigernde, den Höhepunkt hinauszögernde Dramaturgie dieser Arbeiten. Und das Gute: Auch reine Clubgänger, die nicht jeden Track in seine Einzelbestandteile zerlegen müssen, finden gefallen daran. Unter der Prämisse einer Werkschau lagen für mich die spannendsten Momente allerdings gerade in den Passagen, in denen Wiedemann Neuabmischungen von "Setsa", "Zuckerzeit" und noch einmal einem Stück, an dessen Titel ich mich gerade nicht erinnern kann, präsentierte. Zu diesen Stücken fand ich bei ihrem Ersterscheinen nur schwer Zugang. Im Waldsee machten diese Stücke für mich jedoch erstmalig Sinn. Ein Zugeständnis an die Erwartungshaltung vieler Clubgänger: Osunlade - Envision - Âme Remix. Kann man sehen, wie man will: Für mich ist und bleibt dieser Track grossartig! Was ich jedoch vermisst habe, waren von mir so sehr geliebte Âme-Tracks wie "Shiro" oder "Hydrolic Dog". Verständlich. Da kommt der Nostalgiker in mir durch.



Auf den Abschluss der Clubnacht mit Chris Milla verzichtete ich. Jeder DJ kann, darf und soll seinen persönlichen Stil haben. ABER: Ein DJ sollte meines Erachtens auch immer so viel Feingefühl für eine Clubnacht und die Künstler mitbringen, die vor oder nach ihm an die Plattenteller treten. Er sollte sich vielleicht auch ein wenig mit der Musik beschäftigen, für die der jeweilige Künstler steht. Muss ja keine wissenschaftliche Auseinandersetzung sein. Einmal kurz discogs.com, YouTube und Soundcloud überfliegen reicht doch. Und ebenfalls wichtig: Nicht das eigene DJ-Ego mit Gewalt durchsetzen. Da kann nichts Gutes dabei rauskommen. Leider hat es Chris Milla trotz jahrelanger DJ-Erfahrung geschafft, mit dem ersten Track den von Âme aufgebauten 'Tempel der Deepness' (zitiert von DJ Koze)  bis auf die Grundmauern niederzureissen. Nach zwei, drei Takten hatte er ein Tempo von 130/131 bpm erreicht. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn die Musik stimmt. Gibt ja ausreichend Detroit/Techno-Platten, die man auch gut in diesem Tempo spielen kann. Aber dieses metallische Rumgeklacker und der grosszügige Gebrauch des Flangers verwiesen mich des Raumes.

Fazit: Angenehmer Abend, ein Hendrik Vogel in Bestform, die Gebrüder Teichmann überraschen - und überzeugen, Frank Wiedemann/Âme bestätigt seinen guten Ruf als Kulturbotschafter des House, und zur Perfektion fehlte am Ende nur noch eine Dreiviertelstunde Musik, zu der die Seele aufgehen und sich erheben kann.

Freitag, 16. März 2012

Benedikt Frey - Keep It Deep Guest Mix

Foto: http://www.danielweisser.com/
Der Guest Mix in dieser Woche kommt freundlicherweise von Benedikt Frey. Erste Gehversuche als Produzent führten ihn zu Netlabel wie Autist oder Inminimax, worauf er Techno-Tracks veröffentlichte, die auf kleinteilige Loops aufbauten. Seit dieser Zeit hat er sein musikalisches Portfolio beständig erweitert, sein Techno hat einen dubbigen Unterbau erhalten, sein House wurde atmosphärischer, melancholischer. Dies führte ihn zu Imprints wie Rotary Cocktail, Pour Le Merite, Ethereal Sound und zuletzt Mule Musiq, worauf er in diesem Winter unter seinem Klarnamen die EP "Fairytail" veröffentlichte. Da aus Pforzheim - Nordbaden - stammend, ist sein Auftritt auf Keep-it-Deep gewissermassen ein Heimspiel für ihn. Interview folgt nach. Jetzt zum Podcast:







INTERVIEW



PODCAST






English (short) version: Our this week's podcast comes courtesy of German DJ and producer Benedikt Frey who's been releasing electronic club music for several years under various monikers; be it loop-/sound effect-oriented minimal techno as Suedmilch, be it warm, ethereal house or dub techno as Venedikt Reyf or, Benedikt Frey, on imprints like Rotary Cocktail, Ethereal Sound or, recently, Mule Musiq. An interview will follow soonish!



Mehr im Web:

Benedikt Frey / Suedmilch @ Soundcloud
Benedikt Frey @ Facebook
VTOTHED @ Soundcloud
Benedikt Frey - Portrait @ De:bug

Keep-it-Deep bei on3

Quelle: http://on3.de/e/13396 
Die Überraschung konnte kaum grösser sein, als ich in dieser Woche meinen E-Mail-Posteingang öffnete und eine Anfrage von Michael Doeringer, Redakteur bei on3, dem digitalen Internet-Radiosender des Bayerischen Rundfunks, darin vorfand. Er wolle das Blog gerne im Rahmen der Serie "Hits From The Blog" vorstellen. Eine ausgesprochen reizende Geste von Seiten der Musikredaktion, zumal ja House und Techno in der Form, wie die Musik hier stattfindet, nun doch eher ein kleines (dafür jedoch umso feineres) Nischenprodukt ist.
Wie auch immer. Tags darauf meldete sich Michael Doeringer bei mir, stellte mir einige Fragen rund um das Credo des Blogs, die Faszination House und Techno und das Bloggen im Allgemeinen. Dabei durften auch die Genickbruchfragen nach aktuellen Lieblingsplatten und dem "all time favourite tune" nicht fehlen. Zwei Fragen, die mich an meine Grenzen bringen. Welchen Track auswählen und welchen dabei unberücksichtigt lassen? Das sprichwörtliche Messer an der Kehle fühlend, entschied ich mich - als aktuelle Veröffentlichungen - für die soeben besprochene "Empires E.P." von October, die Soft Split-EP von Roman Rauch und Drei Farben House sowie die KILLER-EP "24" von Conforce, die im Verlauf der nächsten Tage hier noch etwas mehr Platz bekommen wird. Kann man so stehen lassen, diese Auswahl, oder?! Als all time favourite - Freunde, die mich kennen, werden es sich schon längst gedacht haben - nannte ich: "Morning Factory" von Ron Trent und Chez Damier. Für mich das A und O eines Sets. Danach kann nur noch Stille kommen!

Ausschnitte des Gesprächs wurden gestern Abend um 19 Uhr CET gesendet. Eine Zusammenfassung des kleinen Feature kann man auf der Website von on3 nachlesen. Sehr süss geschrieben. Da legt sich auch heute noch ein zarter Tränenglanz auf meine Augen. Vielen Dank dafür!


"Keep-it-deep ist getrieben von dem Drang, sich liebevoll mit Musik zu beschäftigen, die die Füße zappeln und den Kopf in Fahrt kommen lässt. Hier schlägt die persönliche Auswahl das schnöde Sharen von Konsensthemen." Weiter geht es hier!


English (short) version: Michael Doeringer, editor at on3, an internet-based radio station, did a little interview with the founder of this blog in order to highlight it and the featured music. Thank you so much for this!


Mehr im Web:

Keep-it-Deep: Auf nostalgietrunkener Suche - Portrait @ on3
on3

1 Jahr O(h)rbital w/ Âme (live)

In wenigen Stunden wird Frank Wiedemann, Teil des DJ- und Produzenten-Duos Âme, im Freiburger Waldsee für ein Live-Set erwartet. Anlass ist der erste Geburtstag der Veranstaltungsreihe O(h)rbital, die nahezu vor Jahr und Tag mit einem Set des Groove-Mitgründers DJ T gestartet ist. Seither haben die Macher das Freiburger Nachtleben mit - unter anderem - einer Harry Klein- und Watergate-Nacht bereichert, genauso wie sie auch einen Karotte nach Freiburg geholt haben, der damit zum gefühlt achtundvierzigsten Mal seit Anbeginn des neuen Jahrtausends im Breisgau war. Doch das zählt heute Abend nicht.

Für Frank Wiedemann wird dieser Abend so etwas wie ein Heimspiel werden. Erstens Baden, zweitens haben die Jungs schon bei der Montagsveranstaltung tageins Platten gedreht, als sie gerade anfingen, auf Sonar Kollektiv zu veröffentlichen. Und bevor ich mich in lange Ausführungen verliere, warum und weshalb ich die Tracks von Âme - gerade auch aus der Sonar Kollektiv-Zeit - so liebe, verweise ich auf das Lesematerial, was die regionale Presse anzubieten hat:


- Frank Wiedemann und Kristian Raedle im Interview auf fudder.de: Âme: "Wir hinterfragen gerne den Status Quo unserer Szene."


Kristian: "Wir denken, dass auf der Basis von House und Techno noch lange nicht alles ausgereizt ist. Man kann dem Ganzen immer noch etwas hinzufügen. Allerdings stehen wir der Schwemme an House-Platten in den letzten beiden Jahren sehr skeptisch gegenüber..."
Frank: "...Wir haben einfach kein Interesse daran, uns zu wiederholen. Das kann man zwar naturgemäß nie ganz vermeiden, aber zumindest bei jedem einzelnen Track als Anspruch an sich selbst haben. Es interessiert uns einfach, stetig neue Klänge zu erforschen oder harmonische Einflüsse aus verschiedensten musikalischen Stilrichtungen in unsere Arbeiten mit einfließen zu lassen."



-  Âme im Portrait der Badischen Zeitung: Âme: Der Club des Dr. Caligari

"Worin liegt der besondere Reiz ihrer Musik? Zum einen brechen Raedle und Wiedemann die engen Formvorgaben des Viervierteltakts, klassisches Strukturmerkmal der House-Musik, auf. So unterlegen sie beispielsweise "Repeat Again After Me", ein Stück des französischen Elektronik-Musikers Etienne Jaumet, mit Beats in einem pulsierenden 7/8-Takt. Zum anderen verlassen die beiden Produzenten auch für die Harmonien und Melodien in ihren Stücken längst vorgespurte Pfade."


Zur weiteren Einstimmung noch ihr Track "Shiro". Dieser soll auf meiner Hochzeit, zur Geburt meines ersten Kindes und zu meiner Beerdigung gespielt werden!






English (short) version: Frank Wiedemann of Âme will perform a live set tonight at Waldsee/Freiburg/Germany. In awaiting his gig, I'll dive deep into all kind of tunes that he and his DJ and studio partner Kristian have been releasing over the past decade. And, if you like, check out what our local press wrote about one of the most inspiring and influential producers of contemporary electronic (club) music.



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Âme - DJ Set @ Club Silo (Leuven) closing // 2011 (via: r_co)

October - Empires E.P.

October zum Ersten, October zum Zweiten, und nun zum Dritten. Innerhalb kurzer Zeit - was sind schon sechs Monate - bespreche ich die dritte 12" von Julian Smith. Langweile ich euch damit? Ich hoffe nicht. Denn die Musik des Produzenten und DJs aus Bristol, die er gegenwärtig veröffentlicht, ist alles andere als langweilig. "Sticky Fingers / Left Out", "String Theory" und nun "Empires E.P." gehören meines Erachtens zu den Must-Have-Stücken eines jeden, der sich auf der Tanzfläche von Jack an der Hand genommen und durch House, Techno und Dubstep führen lassen möchte. Denn aus diesen drei Flüssen wird das lebendig sprudelnde Genre-Bassin gefüllt, aus dem Smith seine Kraft für lebendige Tracks schöpft.

Mit seiner neuesten Zwölfzoll-Scheibe erscheint ein Ausschnitt seiner aktuellen Studioarbeit auf dem Imprint der mysteriösen Schweden, die als Skudge Tracks anfertigen, deren enormes, sofort aktivierbares Kraftpotential die sagenumwobenen Mauern Jerichos wohl schon nach drei, vier Takten zum Einsturz gebracht hätte. Und genau zu dieser Muskelklasse schliesst jetzt Julian Smith auf.

Schritt für Schritt hat er über die letzten Jahre sein eigenes Klangreich aufgebaut. Es ruht auf einem Fundament aus walzenden Brachialbässen und wird schützend umgeben von einer hohen Mauer aus schwer erschütterbaren Bassdrum-Quadern, denen auch eine natürliche Verwitterung nichts anhaben kann. Auch wenn sie dem ständigen Wechsel der Club-Gezeiten ausgesetzt werden, bleiben sie unförmig, eckig und schroff. Enthalten sind diese Elemente auf dem grandios unwirtlichen "Push", und wenn ein DJ diesen Track zum Einsatz bringt, wird ganz bestimmt keine Pore trocken bleiben.

Dagegen lässt der Produzent aus Bristol in seinem Stück "Empire Of Man" kleinteilige Bleeps und federleichte Synth Pads in atmosphärische Höhen aufsteigen und über die nachtfinstere,betörende Bassline tanzen, wie Schmetterlinge im Licht der aufgehenden Sonne über eine vom Tau benetzte Blumenwiese.  Könnte ich mir auch sehr gut vorstellen auf einem von Fred P, Patrice Scott und ähnlichen Produzenten kuratierten Label. In Love!






English (short) version: I'm in love with those dark-harsh music of Bristol based DJ October, who combines the industrial atmosphere of (true!) electro, the punchy power of techno and a stoned euphoric feel of Bristol. Dope!



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Donnerstag, 15. März 2012

Baaz - Slices Of Live 003

Woher nimmt Baaz nur diese seelentiefe Ruhe und woraus schöpft er die Stabilität und entspannte Kraft, mit der er von EP zu EP tiefer vordringt zum Urgrund wahrer House-Musik, dem Groove? Wenn man einen seiner Tracks anspielt, möchte man zu gerne erfahren, bei welchem Zen-Meister er in die Lehre geht und sich unterweisen lässt in der Kunst des Produzierens, um einen Musik zu erzeugen, die folgende Charakteristika aufweist: Eine hohe Stabilität in der Bewegung der Beat-Pattern - die Bassdrums laufen geradlinig und harmonisch -, und Bassdrums, die über eine Kraft verfügen, die aus dem Zentrum ihres Selbst kommt. Ob auf Sthlmaudio Recordings - "You And Some EP" - oder Quintessentials - "Pass It On", immer ermöglicht der House-Sound eines Baaz, Körper, Seele und Geist in ein Gleichgewicht zu bringen und eins zu werden mit nicht weniger als dem Universum.

Für das Jahr 2012 hat sich der (Wahl-)Berliner DJ und Produzent einiges vorgenommen: Noch im Frühjahr wird er mit "Office" sein eigenes Label an den Start bringen. Zwei EPs mit eigenen Stücken sind dafür bereits in Planung. Ausserdem stehen Remixe für Roundabout Sounds und Mateo & Matos an. Und was der Herbst bringen wird? Vielleicht ein Album?

Anyway. Jetzt kommt erst einmal seine 12" auf Slices Of Life, dem kleinen Label von Barbara Preisinger, das 2009 mit zwei Tracks von (Stefan) Betke, "The Road / Loose and Blowsy Plumage", sein erstes Release gefeiert hat. Mit seinen drei Stücken, "Jeally", "Judy's Bass" und "Carbon Hair" bringt sich Baaz hervorragend ein in das Kraftfeld des Labels, das die Vektoren Dub Techno und Deep House aufspannen. Auf "Jeally" spielt er mit sonnenwarmen Stimmungen und glücklichen Atmosphären. Dafür sorgen der perkussive, zurückhaltende Rhythmus und die federleicht schwebenden Synthesizer-Pads. A propos Percussion: Baaz beweist hier eine so zarte Feinfühligkeit, dass man in seinen Produzentenhänden auch die jüngere Schwester gut aufgehoben wüsste. Mit "Judy's Bass" berührt er nicht mehr, aber auch nicht weniger als meinen Herzensgroove. Es ist einer dieser Tracks, der - wenn es nach mir ginge - auch die ganze Nacht als Endlosschleife laufen könnte. Bass, Kickdrum und Synthesizer fügt er zu einem so unangestrengt treibenden Gefüge zusammen, man möchte sofort auf die Tanzfläche gehen, die Augen schliessen und sich treiben lassen. Bleibt noch "Carbon Hair". Dieser Track besitzt ein drängendes, forderndes Timbre, denn Baaz weiss, wie man eine Bassdrum mit knackigem Punch erzeugt. Diese paart er mit dubschweren Chords und scharfen. sizzle-artigen Hi-Hats, was dem ganzen ein wenig Warehouse-Atmosphäre verleiht. Und dennoch bleibt der Track ruhig und geradlinig. Daher gilt auch hier: Deep, deeper, Baaz!





English (short) version: Berlin-based producer Baaz starts his year 2012 with an EP on Slices Of Life, which will be the kick-off to a series of releases on his own, new-founded imprint "Office", and others. Three tracks that are best described as "deep, deeper, Baaz"!



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Andrade - Sugar EP

Wer schafft es, das House-Rad neu zu erfinden, sozusagen den House der Zukunft zu denken und diese Gedanken auch noch in Vinyl hinein ritzen zu können? Anyone? Wem dies gelingt, der soll sich bei mir melden. Er hat was gut bei mir.

Bis es soweit ist, überbrücke ich die Zeit mit aktuellen Veröffentlichungen und ziehe an diesem Donnerstagabend die "Sugar EP" des französischen Produzenten Andrade aus dem Regal. Andrade? Noch nie gehört? Ihr könnt ganz beruhigt sein. Denn bis dato tauchte der Produzent und DJ aus Paris auch bei mir noch nicht als Name auf, den es festzuhalten und im Zettelkasten der House-Musik abzulegen galt. Und das, obschon er sich bereits auf Label wie Pokerflat - "Talk About EP" -, Dessous - "Face De Bouc" - oder Time Has Changed Records verewigt hat. Vielleicht aber habe ich auch gerade deswegen erst so spät von ihm erfahren.

Ausserdem hefte ich House-DJs und Produzenten aus Paris gerne auch einmal vorschnell unter dem Label "Ibiza" ab, denn ein Dan Ghenacia, Dyed Soundorom, Shonky oder DJ W!LD haben ja zu ihren Gigs rund um den ganzen Erdball auch feste Spielzeiten auf der weissen Baleareninsel, und ihr Sound ist mir dann doch ein wenig zu perkussiv, trippig, ganz offenherzig floor-orientiert. House, der gerade auch bei Tageslicht, unter freiem Himmel, am Strand funktioniert. Und ich bin ja doch eher ein Kind der finst'ren Mitternacht.

Wie dem auch sei. Auch wenn ich den Hintergedanken, dass auch Andrade schon bald an der Seite der oben erwähnten DJs Kurs auf die Clubs der Feierinsel aufnehmen wird, einfach nicht loswerde, heisst es: Scheuklappen runter! Denn mit "Police" präsentiert der französische Produzent ein Stück, das von einem unheimlich zugkräftigen Bassmotor angetrieben wird. Kurze, anschwellende Synth Pads, locker eingestreute Snare-Sounds und geshuffelte Hi-Hats sorgen nur für geringen Ballast, so dass Andrade mit dieser Nummer die volle Kondition der Tänzerinnen und Tänzer abfragen kann. "Sugar", seinen zweiten Track, hat er einem massiven Tuning unterzogen und arbeitet mit maximaler Muskelkraft. Der Bass hat einen grösseren Resonanzraum bekommen, die Kickdrums drücken mit enormer Kraft, die Synth Pads schwellen stärker an und die Snare Claps klingen krisper, schärfer. "Berlin" dagegen - vielleicht seine Hommage an eine der gegenwärtigen Hauptstädte der Clubmusik - fliesst und perlt; Bass und Kickdrums umarmen sich sanft, nehmen die seidigen Piano-Sounds in ihre Mitte und umspielen das nur schwer verständliche Vocal-Sample. Für Remixe sorgen die Pariser Newcomer-Produzentin und Resident-DJ des Rex Club Molly, die auch auf der neuen Rekids-EP von Spencer Parker vertreten ist sowie der Pariser Djulz, Herr der feinen Basskultur und ebenfalls Resident-DJ des Rex Club. Wenn club-orientiert, dann so.



English (short) version: solid house music directly sending you to the floor by French DJ and producer Andrade and famous Parisian Rex Club residents Molly and Djulz. If most of today's floor-oriented club music was like this EP, we hadn't such a hard job to filter all kind of releases.



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Montag, 12. März 2012

Mixed up monday (97)

http://n3utr0n.tumblr.com/post/1538918428
Eigentlich sollte ich längst im Bett liegen, mit einer warmen Bettflasche im Arm, aufgeschnittenen Zwiebelhälften in einem Glasschälchen, und einigen anderen, die Nacht vorbereitenden Grausamkeiten, beispielsweise Gurgeln mit Salzwasser, denn ich quäle mich schon seit Samstagabend mit einem grippalen Infekt herum. Scheint in der südbadischen Luft herumzuschwirren, denn meinen Hausarzt hat's auch erwischt.

Dennoch ein paar Mixtapes, die in der vergangenen Woche mit mir so leidenschaftlich intensiv geflirtet haben, dass ich ihnen verfallen bin und seither nicht mehr von ihnen lassen kann. Da wäre zum einen der Podcast des Freiburger DJs Simonis, den er für das - ebenfalls Freiburger - ModeLifestyleGadgetKunst-Blog NoMoreMindGames eingespielt hat. Old School, True School, Simonis!





Weiter geht es mit einem wunderschönen Podcast des mysteriösen DJ Fett Burger aus dem Sex Tags Mania-Umfeld für Trushmix. House, aussen kross, innen saftig:





Dazu passt vortrefflich: Nick Anthony Simoncinos Promo-Mix für die britische Secret Agency, die ihren Künstlerstamm wohl um den den House-Nostalgiker erweitern wird.





In Sachen Roughness und Tightness kann man ihm nichts vormachen: Jens Kuhn alias Lowtec, dem Mann vom Workshop-Label. Vor drei Tagen stellte er auf seiner Soundcloud Teil zwei der "Odd man out"-Mixreihe hoch. Diesen jagte er anno 2010 via Samurai.fm durch den Äther, doch eingebüsst an Qualität hat er nichts. Im Gegenteil. Die "Eevolute" auf Planet E wird mit jeden Mal hören besser. Und mit dieser eröffnet Lowtec seinen Mix. Gänsehaut garantiert!





Kurzer Einschub eines Klassikers: Ingo Sänger hat heute auf seiner Soundcloud zwei alte Mixtapes aus dem Jahr 1991 veröffentlicht - ein Set, das er und Oliver Felbert im Sommer '91 im damaligen Bochumer Club LOGO gespielt hatten. Wenn old school, dann richtig:





Weiter geht's mit De:bug-Redakteur Sascha Kösch alias bleed, der in seinem Mix "Random Acts Of Kindness" die Lehre von der reinen Clubmusik mit Güte und Nächstenliebe umsetzt:





Wer fehlt? Zum einen Tubbotronic, das sind Felix und Jacob, mit einem Podcast für Courtship Display / Alternate Rhythm, dessen Initiator, Roman Balzer, wir auf keep-it-deep schon einmal als Guest Mixer hatten. Ein kleiner Kreis, der sich schliesst. Und der Mix? Der beginnt mit Ursula Bogner, endet mit Fudge Fingas, und dazwischen tummeln sich Kerri Chandler neben Leuten wie Deep Space Orchestra oder Quince. Und Moodymann schaut auch vorbei:





Zum anderen ist es der Franzose Fred, der mit seiner Radiosendung und Plattform Deepsounds seit etwa zehn Jahren jenseits des Rheins für klassischen House einsteht. Nach Tribute-Mixen für unter anderem Wayne Gardiner, Prescription Records und Hi Bias Recordings, nimmt er sich mit Clubhouse Records einem Label aus Chicago an, auf dem u.a. auch ein Glenn Underground veröffentlicht hat. Check:





Zum Abschluss noch ein kurzer Blick über den eigenen Tellerrand hinaus, nach Hamburg, zu Heiko H. Gogolin von Pingipung Records und seinem Mix "Sincerely Yours". Wunderschöne Musik, um einen Abend beginnen - oder enden - zu lassen:






English (short) version:  banging mixes from our local hero Simonis, Lowtec, Fett Burger of Sex Tags Mania fame, De:bug's very own Bleed, Nick Anthony Simoncino and a very warm and emotive fade-out from Hamburg. Don't miss!

Samstag, 10. März 2012

Soul Revival Berlin Pt. III w/ John Roberts

Und hier noch ein kleiner Tipp für unentschlossene Besucher und Bewohner der bundesdeutschen Hauptstadt: Soul Revival Berlin Pt. III w/ John Roberts. Ausgerichtet wird diese kleine Partyreihe von u.a. Marlon Beatt, den wir auf keep-it-deep vor einiger Zeit mal im Rahmen eines Guest Mix begrüsst haben, sowie von Roberto Delucio, der hinter dem sehr geschätzten Blog Soul Diction steht. Weitere Informationen erfahrt ihr von den Machern höchst persönlich:


Was hat es mit der Veranstaltungsreihe "Soul Revival" auf sich?

Soul Revival ist eine neue Veranstaltungsreihe die sich, unserer Meinung nach, auf gute Musik, Musik mit Soul, konzentriert.


Was war der Auslöser, eine eigene Veranstaltung durchzuführen?

Der Einheitsbrei. Viele Berliner und nicht Berliner erzählen oft wie toll das Angebot an Veranstaltungen hier ist, was zum Teil ja stimmt, aber landen dann doch immer wieder in denselben Clubs & auf den selben Veranstaltungen. Wir finden das langweilig. Vor allem, steht die „Qualität“ der Musik meistens nicht im Vordergrund. Der eigentliche Auslöser kam aber als wir im Festsaal Kreuzberg ein unglaubliches Funk/Soul/Disco Set von Sadar Bahar miterleben durften. Wir dachten uns davon sollte es mehr geben!!!


In Berlin gibt es ein unüberschaubares Angebot an Veranstaltungen. Was ist das Besondere an "Soul Revival"?

Wir besetzen eine Lücke, die in Berlin unserer Meinung nach, spärlich besetzt ist. Wir laden Künstler aus verschiedensten Genres ein, die dann für uns durch die Bank Soul/Funk/90's House und alles weitere, was sie als „soulful“ empfinden, spielen. Obendrein haben wir ganz tolle junge Resident DJ's mit an Bord, deren Sound erfrischend neu ist.



Souldiction presents: Soul Revival by Marlon Beatt:





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Dekmantel Anniversary Series

Dekmantel ist eine Veranstaltungs- und Künstleragentur aus Amsterdam. Gegründet im Jahr 2007, hat sie seither zahlreiche Parties und Labelshowcases an unterschiedlichen Off-Locations und in den verschiedensten Clubs der niederländischen Hauptstadt ausgerichtet. Schon bald kamen feste Spielzeiten in Clubs wie dem Studio 80 oder dem Trouw dazu.

Gepflegt wird eine musikalische Ausrichtung, die sich zwischen Detroiter Traditionalismus und Bassmodernismus englischer Prägung bewegt. Daher hat die Dekmantel-Agency in den fünf Jahren ihres Bestehens alles an die Grachten geholt, was Clubmusik-Connaisseuren feuchte Träume beschert: Mike Huckaby, Ra.H alias Morphosis, Rahaan, Maurice Fulton, Larry Heard, aber auch Julio Bashmore, MCDE oder Marcel Dettmann und Marcel Fengler. Doch auch die Künstler aus den eigenen Reihen lassen den Conaisseur-Gaumen feucht werden, als da wären: Makam, San Proper, Juju & Jordash, Awanto3 und das Dekmantel Soundsystem.

Seit einiger Zeit hat die Dekmantel Agency auch ein eigenes Plattenlabel im Portfolio. Darauf haben vor allem Juju & Jordash ihre wunderbar verschrobenen House-Tracks veröffentlicht. Zum fünfjährigen Jubiläum, das vom 30. März bis einschliesslich 01. April mit Gästen wie Todd Terje, Robert Hood und Laurent Garnier und seinem L.B.S.-Projekt gefeiert wird, legt das Label auch eine Spezialedition, die Dekmantel Anniversary Series, auf. Den Auftakt dazu machten Juju & Jordash mit "African Flower (Cosmic Dub)" und Morphosis mit "Impulse". Weiter ging es mit einem überragenden Dreitracker, dessen Beiträge von Awanto3 ("Pregnant"), Makam ("Good To You") und Lone ("Risottowe") stammen.

Vor einigen Tagen erschien Teil drei der Jubiläums-Compilation auf Vinyl mit jeweils einem Stück des Österreichers Felix 'BNCKD' Bergleiter und Danilo 'MCDE' Plessow, die seit geraumer Zeit zusammen als Hundred20 mit klassisch-analogem House erfreuen, sowie von Hunee, der mit "The Lowest Animal" eine Brandfackel für die Tanzfläche abliefert. In den Teilen vier und fünf werden Redshape, Fudge Fingas, Skudge und San Proper die Compilation abrunden. Must have, würde ich sagen.





English (short) version: Dekmantel, an Amsterdam based event and artist agency, will celebrate its fifth anniversary this year - with a few worth-to-go events and a compilation, on which the label assembles artists like Makam, Awanto3, Juju & Jordash or Hunee. Must have!



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Dekmantel

Freitag, 9. März 2012

Unknown Artist - Story 006

Rätselraten um die Person hinter der neuen 12" auf dem Imprint Story? Braucht man längst nicht mehr. Gibt ja discogs.com. Dennoch belasse ich es einmal dabei, den Urheber der drei Tracks als Unbekannten auftreten zu lassen. Somit konzentriert man sich nur und ausschliesslich auf die Werke, die dieser Produzent für Story abgeliefert hat, und entgeht der Versuchung, Verbindungen zu seinen anderen Veröffentlichungen herzustellen - so es denn welche gibt.

Was zunächst auffällt auf dieser EP: Die Fülle tonaler Kontraste auf dieser EP. Da wäre zum einen die sommerleicht swingende Melodieführung bei "Unity Again". Sie steht in Kontrast zur getragenen Tonfolge auf "Diva Dub", wahrscheinlich gespielt mit einem Rhodes Piano, dessen Klang sich gemächlich im Verlauf des Spiels entwickelt. Des weiteren tritt in den Vordergrund der Bass. Er wirkt in allen drei Stücken sehr funkig und trägt einen erheblichen Teil zum Groove-Geschehen bei, mal tiefgründig vertrackt wie bei "Diva Dub", mal jazzig und forsch voranschreitend wie auf "Unity Again" oder im Gleichschritt marschierend wie bei "No Rush". House, der meisterhaft auf einen Disco-Unterbau aufgeschraubt wurde.



English (short) version: Story records' chapter six is house music on a disco-ish foundation - slappy funky bass, sparkling melodies, soft jazzy chords.



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Story Records

October - String Theory

Wer gilt als Begründer der "String Theory" in der dance music? Ist es wirklich Derrick May, der 1987 unter seinem Rhythim Is Rhythim-Alias mit "Strings Of Life" ein bis heute präsentes Standartwerk über euphorische Streicher zu leicht arpeggiertem Piano verfasst hat? Oder hat er diese Theorie, deren Grundlagen bereits viel früher angelegt wurden, lediglich populär gemacht?

Wie dem auch sei. Eine Neuausrichtung hat die "String Theory" dieser Tage im Verlag von Will Saul, Simple Records, erhalten. Treibende Kraft dahinter ist Julian Smith alias DJ October, der sich mit seiner Musik seit Jahren stark macht für eine Städtepartnerschaft von Bristol, Berlin, London und Detroit. Will sagen: Sein Stil ist schluffig, schmutzig und rotzig, seine Beats stolpern leicht angekifft-rauchig, seine Bässe schieben breit geradewegs auf die Tanzfläche. Das zeigte er in den vergangenen Jahren auf seinem eigenen Label Caravan Recordings, aber auch auf dem von Raphael Ripperton geführten Perspectiv Recordings sowie als Remixer für - unter anderem - Elastic Dreams ("A Sagittariun - Carina (October's Full Body Mix)") oder an der Seite von Appleblim für das schwedische Techno-/House-Phantom Skudge ("Skudge Remixes Part 4"). Zuletzt beeindruckt hat er mich mit "Sticky Fingers", einer Kooperation mit Borai und wiederum Appleblim, mit denen er eine der schönsten Grenzgänger-Hymnen zwischen Acid House und Bristol Bass 2011 erschaffen hat.

Jetzt tritt Julian Smith auf Simple Records auf, dessen Betreiber im vergangenen Jahr Schlag fünfzigster EP beschlossen hatte, das Label einzustellen. Doch wer würde seine Vorsätze nicht auch über Bord werfen, wenn er die Möglichkeit hätte, eine solche EP wie "String Theory" zu veröffentlichen? Smith hat "Tension Point" mit einer bassstarken Grundierung versehen. Sie bietet seinen kargen und schroffen Beat Pattern optimalen Halt. Auf diese Oberfläche trägt er Bleep-Sounds der alten Schule auf und setzt ganz behutsam einige Synth-Flächen dazu, und schafft damit die perfekte Umgebung, damit sich das sprechend gesungene Vocal im Klangraum entfalten kann. Der Titeltrack "String Theory" - entstanden in der Zusammenarbeit mit Borai - entpuppt sich als hypnotisch-treibende Nummer, über deren Rhythmusgerüst sphärisch klare Synthesizer schweben wie Wolken über dem Meer - eine traumhafte Liaison für melancholieverliebte Euphoriker.

Für Remixe konnte Danny Wolfers alias Legowelt gewonnen werden. Der niederländische Musiker und Produzent erfindet "seinen" Sound von Veröffentlichung zu Veröffentlichung neu. Seine einzige Grenze ist seine eigene Phantasie, und die unausschöpflich. In seinen Interpretationen der "String Theory" türmt er kosmische Synth-Wolken auf, verdichtet Acid-Staub zu amtlichen Wirbeln, lässt Beats donnern und Bässe hart rumpeln oder weich zerfliessen wie Sahnekaramell. Wow!



English (short) version: October is a talented maker of delicious raw music, always in search of good quality, natural and organic ingredients. He only takes the best from market places like Bristol, Berlin, London or even Detroit - a delicate blending of influences. On remixing duties is Danny Wolfers a.k.a. Legowelt who is on a deep driving yet cosmic trip.



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Legowelt
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Mittwoch, 7. März 2012

Andy Vaz feat. Eva Soul - Feelin'

Andy Vaz zähle ich zum Produzentenkreis meines Vertrauens, wenn mir nach alten House- und Producer-Traditionen ist, die der Kölner seit 2007 fast ausschliesslich auf seinem eigenen Label, Yore Records, frisch aufleben lässt. Doch halt: Wer bei dem Begriffspaar "alte House- und Producer-Traditionen" aus Angst zusammenzuckt, gewisse vorbekannte Bass-Harmonien, Drum-Pattern und nostalgieschwangere Synth-Melodien zum soundsovielten Mal, als Rezeptionsdokument sozusagen, zu hören, kann ganz beruhigt aufatmen. Tradition im Falle eines Andy Vaz bedeutet: Der Mann greift nicht auf Retortenware zurück, sondern schnitzt seine Beats und drechselt seine Bässe von Hand aus Rohmaterial, weshalb die Basslines sauerstoffreich durchblutet, die Harmonien körperwarm und der Groove lebendig ist.

Zuletzt zeigte Vaz dies auf seinem Label mit dem Album "Straight Vacationing, erschienen im Herbst des letzten Jahres. Auch jetzt wirkt es auf mich noch immer wie der Impulsvortrag eines hochkarätigen Rhetors: Die kurzen, prägnanten Tracks vermitteln dem Hörer die zauberhafte Kraft, die von der Motorcity Detroit ausgeht, und sei es nur als Projektionsfläche für die eigenen musikalischen Sehnsüchte - Sehnsüchte nach dem Wahren und Echten in der House Music. Was anderswo als abgegriffenes Klischeebild bemüht wird, ist bei Vaz das Ergebnis eines jahrelangen Suchens und aufmerksamen Hinhörens.

Zum Anfang des Frühlings legt Andy Vaz nun eine 12"-Vinylschallplatte auf Soirée Records auf. Dies ist ein Label aus Detroit, das mit einigen Unterbrüchen bereits seit 1990 besteht und hauptsächlich Plattform für den Output eines Derrick Thompson ist, den man wohl eher unter seinem Künstler-Alias Drivetrain kennt. Thompson ist es auch, der dem Kölner Produzenten Vaz mit einem Remix zur Seite steht. Seine straight-outta-Detroit Version kommt in einem beflügelten Midtempo daher, angetrieben von einem pumpenden Rhythmus und pulsierenden Bass, unterlegt von warmen Orgeltönen oder einem E-Piano sowie schwebenden, morphenden Synthie-Flächen. Dieses komplexe Groove-Gerüst trägt dazu bei, dass man den Track als "tight" bezeichnen muss. Und an den Synthesizer-Stabs im Breakdown hätten wohl auch ein Juan Atkins oder Derrick May ihre Freude. Das Original hintegen stellt sich als Soul-Ballade heraus. Andy Vaz hat dabei den Schmacht und Schmalz der Sängerin Eva Soul ganz tief eingearbeitet in einen perkussiven House-Groove, der mit seinem beschwörend-repetitiven Rhythmus bis auf den Grund der Seele vordringt. Man möchte sich ihm ganz hingeben und davonschweben. Bleibt noch das letzte Rework. Es stammt aus der Meisterschmiede des Beatdown-Übervaters Norm Talley. Alles weitere dazu wären nur Floskeln.



English (short) version: Andy Vaz, Derrick Thompson a.k.a. Drivetrain and Norm Tally all together - expect some serious deep soulful house music.



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Shane Linehan - Do You Know Who You Are

Im Zusammenhang mit dem Thema Afterhour, das ich vorgestern kurz angerissen habe: Das Wissen, wer man ist, woher man kommt und wo man hingehört, kann sehr schnell einmal nicht oder nur bruchstückhaft abrufbar sein, wenn man sich vom Feier-Sog bis weit in den Nachmittag und darüber hinaus mitreissen lässt. Wenn man seine Umgebung nur noch schemenhaft wahrnimmt, wenn Gesichter verschwimmen und die Stimmen der anderen wie in einem Nebel verhallen, bieten oft nur Halt und Orientierung der gleichmässige Schlag einer Bassdrum, die prägnanten Hooklines eines Songs oder das catchy Vocal eines Tracks.

Do you know who you are, weisst du, wer du bist - diese Frage muss jedoch nicht zwingend auf diese Ebene der Identität abzielen. Sie kann sich auch an eine künstlerische Persönlichkeit richten. Diese ist in der Kunst ein Hauptstreitpunkt: Muss die schöpferische Arbeit tatsächlich das Ebenbild der eigenen Lebensweise, des eigenen Denkens sein? Welche symbiotische Existenz dürfen Individualität und Funktionalität in einem Stück führen?

Gerade diese Frage wird in der Clubmusik - hin und wieder auch von mir - bis zur Erschöpfung behandelt. Nur so viel: Was dient es einem Track, der dem Ideal der absoluten Individualität verdammt nahe kommt, wenn er seiner Bestimmung - die Leute im Club zum tanzen zu bringen - nicht im geringsten gerecht wird? Natürlich liegt in so einem Fall der Fehler bei der Crowd. Nicht. Genauso wenig wie beim DJ. Wenn 200 Leute tanzen, und nur einer ans DJ-Pult kommt und im Augenblick tiefster Techno-Pop-Glückseligkeit à la "Der Alte" von Kölsch nach Minimal fragt - wer mag da eher falsch liegen?!

Doch nun zur Platte selbst: Shane Linehan, ein Produzent, DJ und seit 2012 mit Basic Grooves Recordings auch noch Labelbetreiber, wirft diese Frage - Do You Know Who You Are - im Titel seiner soeben auf dem schwedischen Label Local Talk erschienenen Platte auf und bewegt sich mit seinem Track ebenfalls zwischen den Koordinaten Individualität und Funktionalität. Letzteres ist dem Stück insofern zu attestieren, als Shane Linehan darauf sehr zeitgemäss mit den Merkmalen des Jersey-House und UK Garage spielt: Zwischen nur wenigen Tönen changierende Orgel-Akkorde, die sich durch den ganzen Track leitmotivisch hindurchziehen; ein hüftschwingender Rhythmus aus körperreichem Bass und stampfenden Kickdrums. Hört selbst:




Als Remixer tritt der Französische DJ und Produzent Fulbert auf. Es ist nach der Garden State 92 EP sein zweiter Beitrag für das Imprint von Mad Mats und Tooli, die sich mit den bisher veröffentlichten Releases ganz dem Zanz-Feeling hingeben - Disco-Bass, Disco-Streicher, Disco-Piano, angedubbt und auf das House-Fahrwerk aufgezogen. Fulbert transferiert den Bass noch einige Stufen tiefer, lässt ihn gemütlich und weitaus entspannter rollen, als es Linehan im Original tut. Ausserdem bekommen die Orgel-Akkorde ein Geschwisterchen, und zwar - ihr wisst es sicher schon - einige Piano Keys. Was für eine grossartige EP für unverbesserliche Nostalgiker, Head Nodder mit neuromantischer Sehnsucht und überlegen wissenden One Foot Skankern.





Label-Exkurs: Den Release-Reigen auf Local Talk eröffnet haben der Mallorquiner Nacho Velasco und Wagon Cookin' als Bassfort mit ihrer EP "Moon Shadow / Moon Light", einer im Bass kräftigen Platte, auf der gerade die Themen Disco-Piano und Disco-Streicher durchexerziert werden. Seither erschienen auf Local Talk ausschliesslich KILLER-Platten, von denen mich die EP "1990 von Deymare am meisten beeindruckt hat. Klassisches Verständnis und heutige Interpretation von House Music auf den Punkt gebracht!



English (short) version: Local Talk Records has become an outlet for heavy hitters very quickly. The next instalment is presented Irish man Shane Linehan and French Boy Fulbert on remixing duties, dealing with classic house music in the most up-to-date way.



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Montag, 5. März 2012

Mixed up monday (96)

Source: Fuck Yeah Hot Actress
Was war das für ein abwechslungsreiches und verrücktes Wochenende, dessen Ereignisse auf einer Geschmacksskala zwischen extrem süss und extrem sauer einzuordnen sind. Extrem süss waren selbstgebackene Cupcakes, dicht gefolgt von manch glücktrunkenen Menschen, denen ich auf einer Afterhour in Freiburg begegnet bin. Diese besuchte ich frisch geduscht und ausgeschlafen, wurde dennoch sofort Teil des Feierzirkusses und muss sagen, dass ich in den vergangenen fünf, sechs Jahren in Freiburg keine Veranstaltung dieser Art mit einem so angenehmen, stressfreien und entspannten Publikum erlebt habe. Extrem süss war auch der Himbeer-Quark-Kuchen, der auf einen ausgedehnten Spaziergang entlang des Rheins in Basel folgte.

Extrem sauer war ich jedoch in der Nacht von Freitag auf Samstag auf das Publikum der Jackson Pollock Bar. Ob es an der Vielzahl Erstsemester-Jungs lag, die den Kragen ihrer Polohemden hochgestellt trugen und die nichts anderes mit sich anzufangen wussten, als sich gegenseitig mit ihren Smartphones zu photographieren? Ich weiss es nicht. Deren pubertäres Balzverhalten (erfolglos!) hat sicher dazu beigetragen, dass mir schon nach meinem ersten Gin Tonic nicht mehr nach Ausgehen war. Negativer Höhepunkt des Abends? Gerade hatte mich eine junge Frau angesprochen, die sich mit ihrer Freundin ebenfalls ein wenig abseits der Tanzfläche aufhielt. Wir hatten kaum Belanglosigkeiten ausgetauscht, als einer dieser Pubertätsauskoster auf uns zukam, mich zur Seite stiess und eine der jungen Frauen ersichtlich gegen ihren Willen auf die Tanzfläche zog. Ihrer Freundin war alles sehr peinlich. Sie blickte mich verlegen an und rannte den beiden hinterher. Schützenhilfe leisten. Doch wie reagiert man in so einer Situation?

Solche Testosteronausbrüche können nicht vorhersehbare Reaktionen nach sich ziehen, und ehe man es sich versieht, hat man es mit einer Abiturientenklasse zu tun. Oder mit BWL-Erstsemestern, die Papas Wortschatz unreflektiert wiedergeben. Jedenfalls war ich froh, dass kurze Zeit später ein Bekannter anrief. Er sei so weit, mit dem Umziehen seiner Plattenkisten. Man könne sich treffen. Gesagt, getan. Irgendwann, es muss wohl halb vier Uhr morgens gewesen sein, holte er eine 10" hervor. "Transistor / Radio", so ihr Titel. Produzent: Stefan Gubatz. Label: Telrae, ein Sublabel von Traum Schallplatten. Hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm, aber: Beeindruckende Dubtechno-Nummer!



Den Anfang der heutigen Rundschau macht daher auch ein Mix, der inhaltlich ganz auf Dubtechno und dergleichen ausgerichtet ist. Arrangiert und aufgenommen hat ihn Emanuel Geller, Teil des Künstler-Duos Salz, die sich vorwiegend in den ersten Nuller Jahren mit dem hypnotisch schwingenden, subaquatisch tiefen Techno-Sound auseinander gesetzt haben. Tip!





Für Remixe, in denen der Geist von Basic Channel und Chain Reaction atmet, steht auch immer wieder einmal der New Yorker DJ und Produzent Brennan Green. Man höre sich nur einmal seine Überarbeitung von Bubble Clubs "Lonely Acid" an. Als DJ beschreitet er allerdings sehr wilde Pfade durch die Genre hindurch, balearisch leicht, psychedelisch und verspult, krautig und gegen den Mainstream gebürstet, könnte man seine Plattenauswahl bezeichnen. Am vergangenen Donnerstagabend war er in Zürichs Club Zukunft, und wer - wie ich - auf dieses Ereignis verzichten musste, kann sich mit folgenden Mixen Brennan Green ins Wohnzimmer holen.

Brennan Green: Pop Your Funk Vol. 1 (via: Wurst Music Soundcloud)

Brennan Green: Live In Toyama



Weiter geht es mit einem Mix aus der nordspanischen Region Asturias. Radsportenthusiasten werden sie mit dem Berg Alto De L'Angliru, Feinschmecker mit der regionalen Spezialität Sidra in Verbindung bringen. Und der Clubmusic-Connaisseur? Mit Alejandro Rodriguez alias Kresy, der soeben auf dem Label Hivern Disc mit der EP "Lords Of Percussion debütiert hat. Sein Mix für das Playground Mag beginnt mit Patrice Scott und hört nach so namhaften Stationen wie Levon Vincent oder Newworldaquarium bei Vakula auf. Hot!

Kresy: Interview & Mix @ Playground Mag



Next stop: Uzuri Recordings. Die Labelgründerin und -betreiberin Lerato Khati versorgt die Fans ihres Labels in regelmässigen Abständen mit Podcasts der hauseigenen Künstler, zuletzt mit einem Mix von Leonard Strickland alias Big Strick. Dieser wusste mit seinem rohen House-Funk schon auf FXHE zu begeistern und haut immer wieder einmal hitverdächtige Platten auf seinem eigenen Imprint, 7 Days Entertainment, raus. Sein neuester Mix ist pure entertainment, das mehr als nur sieben Tage anhält:





Immer wieder schwer beeindruckt bin ich von den Platten eines Scott Ferguson und seinem Label Ferrispark Recordings. Kürzlich erschien ein Mix von ihm auf der Podcast-Seite Do Not Tape Over. Don't miss this!

Scott Ferguson - Podcast @ Do Not Tape Over



Bohemian Grove ist nicht nur ein Zeltplatz irgendwo im Süden Kaliforniens, auf dem sich regelmässig die Global Player aus Wirtschaft und Politik einfinden, sondern eine Veranstaltung aus Manchester, deren Organisatoren Gäste wie DJ Jus-Ed, Levon Vincent oder Mike Huckaby einladen. Im Februar war Chicago Skyway zu Gast. Hier der Promo-Mix:





Auch immer wieder gut: Die Drumpoet Community Radio Show, vor allem wenn Kejeblos dafür an den Decks steht. Wundervoll!





Nun sind wir schon fast am Ende angelangt. Den Soundtrack für die Zielgerade liefert Juergen Junker, der Mann hinter Neurhythmics und einzelnen ausgewählten Releases auf Naif oder Laid. Vor zwei Tagen veröffentlichte Junker auf seiner Soundcloud den Mitschnitt eines Sets, das er im Londoner Club Plastic People spielte. Pure class!





Wir sind am Ziel der heutigen Rundschau, und damit ist die Zeit gekommen, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. Wir tun dies mit einen Podcast von Behling & Simpson, die seit 2010 von Bristol aus mit ihrem Sound die Herzen derer erobern, die für Bass, Garage, Disco und House schwärmen.


Behling & Simpson: Mix @ Truancy



English (short) version: the week in summary brings you mixes from Brennan Green, Big Strick, Scott Ferguson, Kresy, Behling & Simpson and many others. Enjoy!